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  Gene Tunney
(Schwergewichts-Weltmeister 1926 bis 1928)
 
     
  Gene Tunney war in der harten Boxerwelt fast ein Intellektueller. Der Schwergewichts-Weltmeister von 1926 bis 1928 war eher still und zurückhaltend und verzichtete vor seinen Kämpfen auch auf das übliche Getöse. Im Ring ging er wissenschaftlich vor und stellte sich taktisch immer penibel auf seine Gegner ein. Bei den Fightfans war Tunney bei weitem nicht so beliebt, wie die Raubeine der Marke Jack Dempsey.  
     
     
  Doch auch Tunney war ein Spross der Arbeiterklasse. Sein Vater war Hafenarbeiter, seine ersten Erfahrungen mit Boxen machte er bei wüsten Straßenschlägereien. Ein Paar geschenkte Boxhandschuhe waren für den damals zehnjährigen Tunney der Wegweiser für seinen späteren Beruf. Der Halbwüchsige trainierte zunächst im Greenwich Village Athletic Club in New York und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Schreibmaschinenkraft bei einer Dampfboot-Gesellschaft.
 
1915 stieg Tunney mit einem technischen K.o.-Sieg gegen Bobby Dawson ins Profilager ein und verabschiedete sich sofort als Matrose bei der Marine in den Ersten Weltkrieg, wo er in Frankreich diente. Nach seiner Rückkehr in die USA setzte er seine Ringkarriere fort. Mit einem Sieg gegen Battling Levinsky holte sich Tunney die amerikanische Meisterschaft im Halbschwergewicht. Die erste Titelverteidigung sollte die erste und einzige Niederlage für Tunney sein. Mit zum Teil zweifelhaften Taktiken gewann Harry Greb am 23. Februar 1923 über 15 Runden nach Punkten. Mit einem Kopfstoß brach Greb Tunney die Nase. Doch die Augen des Titelverteidigers waren von den Schlägen des Herausforderers komplett zugeschwollen, weshalb es auch keine Diskussionen um das Urteil gab. Das Rematch gewann Tunney über 15 Runden klar nach Punkten.
 
Auf der Suche nach neuen Herausforderungen unterschrieb Tunney schließlich einen Vertrag für einen Fight gegen Schwergewichts-Weltmeister Jack Dempsey. Wie ein Wissenschaftler bereitete sich der smarte Fighter auf Dempsey vor. Er analysierte Filme der Kämpfe von Dempsey und interviewte einige ehemalige Gegner des Weltmeisters. Dank der fantastischen Werbekampagne von Promoterlegende Tex Rickard strömten 120.757 Fans in das Sesquicentennial-Stadion von Philadelphia und sorgten für eine damalige Rekordeinnahme von zwei Millionen Dollar.
 
Zum Entsetzen der vielen Dempsey-Fans boxte Tunney den Champion nach allen Regeln der Kunst klassisch aus und holte sich am 23. September 1926 den Titel aller Klassen. Auch die Revanche ein Jahr später entschied Tunney dank des berühmten "Long Counts" für sich. Vor 100.000 Fans im Soldier Field von Chicago, die erneut eine Rekord-Einnahme von 2,6 Millionen Dollar brachten, gewann Tunney die ersten sechs Runden. In der siebten wurde der Weltmeister von Dempsey mit einem rechten Cross erwischt und ging nach sechs weiteren harten Schlägen zu Boden. Da Dempsey nicht sofort in die neutrale Ecke ging, verzögerte sich das Anzählen vier Sekunden, und Tunney hatte rund 14 Sekunden Zeit, wieder auf die Beine zu kommen. Danach brachte er den Fight sicher nach Hause.
 
Die zweite erfolgreiche Titelverteidigung mit einem technischen K.o.-Sieg in der elften Runde gegen Tom Heeley am 26. Juli 1928 in New York war zugleich sein letzter Fight. Tunney war somit der erste Schwergewichtler, der als Weltmeister abtrat und nicht mehr zurück kam. Er heiratete in die Upper Class ein und ehelichte eine Stahlerbin. Tunney machte erfolgreich Geschäfte, sein Sohn John wurde später US-Senator.