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  Bubi Scholz  
     
  Er war nach Max Schmeling und neben Henry Maske der wohl populärste deutsche Profiboxer. Das unterstreicht nicht zuletzt ein TV-Zweiteiler über die ebenso schillernde wie tragische Lebensgeschichte von Gustav "Bubi" Scholz. Scholz war für die Deutschen der Inbegriff für Überlebenskampf, ein Mann, der sich aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges erhob und sich mit seinen Fäusten eine Existenz aufbaute. Er war Lichtgestalt, Vorbild - und mit seinen glasklaren Augen ein Liebling der Frauen.  
     
  Scholz wurde am 12. April 1930 in Berlin geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Schon als junger Knabe lernte er, aus wenig viel zu machen. Scholz machte Botengänge oder suchte den billigsten Friseur, um von dem von seiner Mutter für diesen Zweck erhaltenen Geld noch etwas übrig zu behalten. Es folgten eine Mechaniker- und eine Kochlehre, wo er sich sein erstes Geld verdiente. Vom Lohn bezahlte der schmächtige Knabe den Besuch einer Boxschule und wurde schließlich im Stall von "Fritze" Gretzschel aufgenommen. Dort kam er unter die Fittiche von Trainer Lado Taubeneck, der Scholz bis zu dessen Karriereende betreute.
 
Als 18-Jähriger stieg Scholz 1948 ins Profilager ein, ohne auch nur einen einzigen Amateurkampf bestritten zu haben. Insgesamt 96 Kämpfe absolvierte er, verlor nur zweimal nach Punkten und boxte sechsmal Unentschieden. Größte Erfolge waren die Europameisterschaft im Mittelgewicht 1958 und das Europa-Championat im Halbschwer 1964. Für seinen "Seiltrick", seine Meidbewegungen, seinen Ehrgeiz und Trainingsfleiß war Scholz berühmt. Der smarte Faustkämpfer knockte "De Aap" Peter Müller gleich zweimal aus oder zwang den starken belgischen Europameister Charles Humez am 8. Oktober 1958 vor 40.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion in einer Ringschlacht zur Aufgabe in Runde zwölf - und das nach überstandener Tuberkulose. Eine Weltkrone blieb Gustav Scholz allerdings versagt. Gegen Halbschwergewichts-Champion Harold Johnson (USA) riskierte er zu wenig und musste sich über 15 Runden knapp nach Punkten geschlagen geben.
 
Das Leben von "Bubi" Scholz war von schweren Schicksalsschlägen begleitet. Nach einem Blutsturz als Folge einer offenen Tuberkulose schien die hoffnungsvolle Karriere des Stilisten abrupt beendet. Die Ärzte prognostizierten damals, dass Hochleistungssport nach einer Genesung nicht mehr möglich sei. Unter dem Decknamen Gerd Schneider wurde "Bubi" Scholz in ein Sanatorium im Schwarzwald eingeliefert und durfte nur Spaziergänge machen. Es galt striktes Trainingsverbot. Davon ließ sich der Kämpfer nicht beeindrucken und begann heimlich mit Gymnastik, Krafttraining, Läufen, Schattenboxen. Sein damaliger Hausarzt ließ ein Donnerwetter los, als er davon erfuhr. Doch nach einer Untersuchung gab er Scholz schließlich das Okay für die Fortsetzung der Karriere.
 
Nicht nur das Comeback nach dieser schweren Krankheit sondern auch die zahlreichen Rückschläge durch Verletzungen verliehen Bubi Scholz später den Ehrennahmen "Der eiserne Gustav": Zwei Meniskusoperationen, eine Muskeloperation, ein Kieferbruch, ein eingeklemmter Trigeminusnerv, Hand- und Rippenbrüche sowie der Bruch des Brustbeins konnten Scholz nicht stoppen.
 
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn verfiel "Bubi" Scholz dem Alkohol, Exzesse und Entziehungskuren wechselten sich ab. Der Absturz mündete schließlich in einer Tragödie. Im Vollrausch erschoss er im Juli 1984 seine Ehefrau Helga Druck - die Jugendliebe hatte Scholz 1955 geheiratet - mit seinem Jagdgewehr durch die Tür der Gästetoilette. Scholz wurde zu drei Jahren Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Es folgten zwei Selbstmordversuche, bei denen Hilfe in letzter Minute kam.
 
Die Boxsport-Legende Gustav "Bubi" Scholz ist am 21.08.2000 im Alter von 70 Jahren verstorben. Scholz litt an Alzheimer und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens zurückgezogen in einer Seniorenresidenz am Rande Berlins. Der geschwächte Ex-Leistungssportler erstickte bei der Einnahme seines Frühstücks.
 
Der ehemalige Profiboxer Henry Maske hat den Sportler "Bubi" Scholz als einen der großen Boxer des letzten Jahrhunderts gewürdigt. Deutschland verdanke ihm den ersten Weltmeisterschaftskampf nach dem Krieg. Nach Max Schmeling habe er es geschafft, das Boxen in Deutschland populär zu machen. "Als Boxer war er ein großer Taktiker und intelligenter Analyst. Seine damalige Kampfstrategie entsprach auch genau meiner Philosophie im Ring", erklärte Maske.