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  Floyd Patterson
(Schwergewichts-Weltmeister 1956 bis 1959, 1960 bis 1962)
 
     
  Sein jungenhaftes und sanftes Gesicht täuschte nicht nur die Fans, sondern auch seine Gegner. Im Ring verwandelte sich Floyd Patterson zu einem wilden Tiger, der seine Opponenten im wahrsten Sinne des Wortes ansprang. Patterson schrieb Geschichte im Schwergewicht: Er war der erste Boxer, der den Titel aller Klassen zweimal gewann und damit das Gesetz "They never come back" durchbrach. Mit seinem Sieg im Fight um die vakante Krone 1956 gegen Archie Moore war er damals mit 21 Jahren der jüngste Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten. Und im modernen Boxen war er der leichteste aller Weltmeister aller Klassen, sein Körpergewicht überstieg nie 91 Kilogramm.  
     
     
  Floyd Patterson wurde am 4. Januar 1935 in Waco im US-Bundesstaat North Carolina geboren. Seine Jugend verbrachte Patterson in Yonkers, einem der härtesten New Yorker Ghettos. Dort geriet er auch kurzfristig auf die schiefe Bahn und musste einige Zeit in einer Besserungsanstalt verbringen, wo er mit dem Boxen begann. Dort entdeckte ihn dann der legendäre Manager-Trainer Cus D'Amato, der später auch Mike Tyson in die Weltspitze führte.
 
Unter dem eisenharten Coach wurde Patterson zu einem Meisterboxer. Bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki holte er Gold im Mittelgewicht. Seine ersten Profikämpfe bestritt Patterson im Halbschwergewicht und verlor von seinen ersten 35 Kämpfen nur den gegen Joey Maxim. Am 30. November 1956 holte sich Patterson den vakanten Titel aller Klassen mit einem K.o.-Sieg in der fünften Runde gegen den 49 Jahre alten Ringveteranen "Ageless" Archie Moore. Floyd Patterson wurde daraufhin immer wieder für seine handverlesenen Gegner kritisiert. Doch Cus D'Amato weigerte sich, seine Kämpfer gegen Leute von Promoter James Norris und dessen korrupten International Boxing Club zu stellen.
 
So verteidigte Floyd Patterson seinen Titel gegen zweifelhafte Konkurrenz wie Tommy Jackson, Pete Rademacher, Roy Harris und Brian London. Die zumeist körperlich größeren Gegner verwirrte er mit dem von Cus D'Amato entwickelten "Peek-a-boo-Stil", indem er mit pendelndem Oberkörper blitzschnell linke und rechte Haken abfeuerte und dabei immer vom Boden abhob.
 
D'Amato musste in Europa nach neuen Gegnern suchen und fand Ingemar Johansson. Der "Hammer Thors" sollte am 26. Juni 1959 zum Albtraum werden. Der Außenseiter aus Schweden schickte den Champion mit einem mächtigen rechten Cross in der dritten Runde zu Boden. Es folgen sechs weitere Niederschläge für Patterson, der dann von Ringrichter Ruby Goldstein aus dem Fight genommen wurde.
 
Ein Jahr später kam es dann zur Revanche. Am 20. Juni 1960 in New York schüttelte Patterson einige schwere Rechte von Johansson ab und schickte den Schweden dann mit einem gewaltigen linken Haken in der fünften Runde zu Boden. Patterson kam wieder hoch und wurde mit dem gleichen Schlag wenige Augenblicke später ins Reich der Träume geschickt. Patterson war damit der erste Schwergewichtler, der sich den Titel zurückholte. Auch den dritten Fight gegen Johansson gewann der Amerikaner - diesmal durch K.o. in der sechsten Runde.
 
Als Floyd Patterson schließlich den Kampf gegen Sonny Liston annahm, trennte sich Cus D'Amato von seiner Entdeckung. Es sollte am 25. September in Chicago einer der kürzesten WM-Fights im Schwergewicht werden. Nicht einmal zwei Minuten brauchte Liston, um Patterson auszuknocken. Auch die Revanche verlor Patterson durch K.o. in der ersten Runde. In zwei weiteren WM-Kämpfen unterlag der damals jüngste Schwergewichtler aller Zeiten 1965 Muhammad Ali und 1968 Jimmy Ellis. Nach einer technischen K.o.-Niederlage gegen Ali 1972 beendete Patterson seine Karriere.
 
Floyd Patterson blieb dem Boxen verbunden. Sein Adoptiv-Sohn Tracy Harris Patterson wurde unter seiner Regie Weltmeister. 1995 ernannte Gouverneur George Pataki ihn zum Vorsitzenden der Sportbehörde New Yorks. Und in Yonkers trainiert der Box-Rentner in einer Scheune Kinder und Jugendliche, um sie vor einer kriminellen Karriere auf der Straße abzuhalten. Patterson: "Ich stelle mich in den Ring. Dann können die Kinder solange auf mich einprügeln, bis sie müde sind. Sie können hier ihre Aggressionen ablassen."