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  Karl Mildenberger  
     
  Trotz einer Niederlage wurde aus Karl Mildenberger am 10. September 1966 "Karl der Große". Im Frankfurter Waldstadion lieferte der Pfälzer an diesem Tag vor 35.000 Zuschauern keinem geringeren als Schwergewichts-Weltmeister Muhammad Ali bis in die zwölfte Runde einen großen Kampf. Mildenberger war nach Max Schmeling erst der zweite Deutsche, der um die Krone aller Klassen boxte. Und der Europameister machte dem Weltmeister schwer zu schaffen. Er setzte Ali vor allem in der sechsten und siebten Runde mit seiner gefürchteten Linken unter Druck. Doch die einsame Klasse von Muhammad Ali gab am Ende den Ausschlag, der Ringrichter nahm Mildenberger in der zwölften Runden nach schweren Kopftreffern aus dem Kampf. "Es war mein schwerster Kampf seit dem Titelgewinn gegen Sonny Liston", gestand Ali nach seiner sechsten erfolgreichen Titelverteidigung. Auch Max Schmeling und Ex-Weltmeister Joe Louis, die am Ring saßen, waren von dem Mann aus Kaiserslautern begeistert.  
     
  Karl Mildenberger, der in der für damalige Verhältnisse seltenen Rechtsauslage boxte, absolvierte in seiner Profikarriere zwischen 1958 und 1969 62 Kämpfe, von denen er 53 gewann, drei unentschieden boxte und nur sechs verlor. Sechsmal verteidigte "Milde" sein Europa-Championat erfolgreich. Vor seinem Fight gegen Ali musste er auch viel Spott über sich ergehen lassen. Nach einer "Blitz-K.o.-Niederlage" im EM-Kampf gegen den Engländer Dick Richardson wurde Mildenberger als "Karl der Flache" verhöhnt. Als Ali 1967 der Titel abgenommen wurde, war Mildenberger wieder Weltranglistenerster. Doch in einer WM-Ausscheidung kassierte er gegen den argentinischen Bullen Oscar Bonavena eine schwere Niederlage und ging dabei viermal zu Boden.
 
Im September 1968 verlor der Rechtsausleger durch Disqualifikation gegen den englischen Europameister Henry Cooper und trat schließlich 1969 vom aktiven Sport zurück. Private Probleme brachten Karl Mildenberger zwischenzeitlich ins Straucheln. Nach der Heirat seiner zweiten Frau fing sich der Sympathieträger wieder und erhielt eine Anstellung beim Sport- und Bäderamt in Kaiserslautern, wo er bis zur Erreichung seines Rentenalters als Bademeister tätig war. Bei großen Box-Veranstaltungen in Deutschland lässt sich "Milde" immer wieder sehen, bei den WM-Kämpfen von Axel Schulz saß er ganz vorne am Ring. Sein Liebling ist aber der Frankfurter Schwergewichtler Willi Fischer.
 
Trotz schlohweißer Haare sieht der Vater zweier Söhne blendend aus, erfreut sich bester Gesundheit und geht weiter regelmäßig ins Gym, wo er sich am Sandsack und mit dem Springseil fit hält. Sein Kampfgewicht von 90 Kilogramm hat er nach wie vor. "Ich tue eben was dafür", sagt Mildenberger. Bei der Deutschland-Premiere des Kinofilms "Ali" in Riesa war der Kontrahent von 1966 ebenfalls zu Gast und traf dort Ali nach vielen Jahren wieder. Am 23. November wurde der ehemalige Boxer 65 Jahre alt.