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  Barry McGuigan
(WBA-Federgewichts-Weltmeister 1985 bis 1986)
 
     
  Barry McGuigan war mehr als nur ein Profiboxer. Er war eine Integrationsfigur auf der britischen Insel. Wenn der charismatische Fighter in den Ring stieg, ließen die verfeindeten Glaubensgemeinschaften der Katholiken und Protestanten in Nordirland die Waffen ruhen. McGuigan übernahm dann das Kämpfen.  
     
     
  Patrick Finbar McGuigan wurde am 28. Februar 1961 in Clones/Irland als eines von acht Kindern geboren. Vater Pat war Bahnarbeiter, Bus-Schaffner und zuletzt professioneller Sänger. Mutter Kate führte in Clones ein Lebensmittelgeschäft. Barry half ihr, indem er 25 Kilogramm schwere Kartoffelsäcke ablud, in jeder Hand einen. Irgendwann fand er ein paar alte Boxhandschuhe. "Ich habe gerade 40 Kilogramm gewogen und konnte einen Gegner mit einem Schlag ausknocken", sagte McGuigan, der konsequent mit dem Boxen begann. 1977 wurde er nach seinem Sieg bei den Irischen Meisterschaften als 16-Jähriger mit einer sehr großen Zukunft bezeichnet. 1980 startete McGuigan bei den Olympischen Spielen in Moskau, verlor in der zweiten Runde aber gegen Wilfred Kabunda aus Sambia.
 
Der Fighter mit den großen Händen und der beachtlichen Reichweite arbeitete weiter fieberhaft am linken Haken, seinem Markenzeichen. Nachdem die großen britischen Promoter und Manager wie Mickey Duff und Terry Lawless abgewunken hatten, unterschrieb McGuigan bei Barney Eastwood, einem Millionär aus Belfast, einen Profivertrag. Nach zwei leichten Auftaktsiegen wurde McGuigan dann von Peter Eubanks über acht Runden knapp ausgepunktet. Es sollte für die nächsten fünf Jahre die letzte Niederlage bleiben.
 
In seinem zwölften Profikampf folgte trotz eines Sieges ein noch größerer Schock. McGuigan knockte den Nigerianer Young Ali in der sechsten Runde aus. Ali fiel danach in ein Koma und starb im Dezember 1982. "Ich konnte einfach nicht glauben, dass ich jemanden mit meinen Fäusten töten konnte", erinnert sich McGuigan an die Tragödie. Am 12. April 1983 wurde McGuigan dann Britischer Federgewichts-Meister und musste dafür die britische Staatsbürgerschaft beantragen. Manager Eastwood befürchtete, dass dies seinem Image hätte schaden können. Doch seine Kämpfe waren weiter besondere Ereignisse, mit seinem natürlichen Charakter und Charisma schaffte er es immer wieder, all die zu vereinigen, die ihm zusahen. McGuigan damals: "Ich weiß, was ich bin. Ich bin irisch, und ich werde immer ein Ire bleiben."
 
Am 16. November 1983 wurde McGuigan trotz eines Niederschlages mit einem K.o.-Sieg über den Italiener Valerio Nati Europameister. Nati musste mit drei gebrochenen Rippen ins Krankenhaus. Am 30. Juni 1984 begeistert er 7.000 Zuschauer in der "King's Hall" in Belfast und das US-Fernsehen mit einem K.o.-Sieg in der fünften Runde gegen Paul DeVorce aus New York. Sein Meisterstück für die WM-Chance machte McGuigan Anfang 1985 mit einem Punktsieg gegen den Puerto-Ricaner Juan Laporte. Manager Eastwood bot WBA-Weltmeister Eusebio Pedrosa dann eine damalige Federgewichts-Rekordbörse von einer Million Dollar.
 
Das ließ sich der Panamaer nicht nehmen und stellte sich vor der enormen Kulisse von 25.000 Zuschauern im Loftus-Road-Stadion dem irischen Herausforderer. McGuigan war brilliant und trieb den alternden Champion, der seinen Titel zum zwanzigsten Mal verteidigte, durch den Ring. In der siebten Runde hatte er Pedrosa am Boden und setzte sich schließlich über 15 Runden nach Punkten durch und wurde Weltmeister. Der Sieg wurde wochenlang von den Fans gefeiert.
 
McGuigan kehrte in seine Heimat zurück und wurde mit einer riesigen Parade geehrt. Doch die Freude war nur oberflächlich. McGuigan hatte sich mit Eastwood über die Art des Managements zerstritten. Klagen und Gegenklagen wechselten einander ab. Ungeachtet dessen verteidigte McGuigan seine Krone noch zweimal erfolgreich, bevor er in der Bullenhitze in Las Vegas auf Steve Cruz traf. Als 5:2-Favorit verlor McGuigan in der sengenden Hitze von 42 Grad im Schatten viel zu viel Flüssigkeit und musste nach zwei Niederschlägen in der 15. Runde seinen Titel abgeben. Fast im Delirium wurde McGuigan in ein Krankenhaus gebracht.
 
Doch nicht diese Niederlage zog McGuigan den Zahn, der Tod seines Vaters 1987 kostete Barry McGuigan endgültig die Motivation für einen erneuten Angriff auf die Krone. Nach seiner Niederlage wegen Verletzung gegen Jim McDonald 1989 beendete die Integrationsfigur im Alter von nur 28 Jahren ihre Karriere.