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  Muhammad Ali
(Weltmeister im Schwergewicht von 1964 bis 1967, 1974 bis 1978, 1978 bis 1979)
 
     
  Muhammad Ali ist nicht nur der größte Profiboxer, sondern wohl auch die größte Sport-Persönlichkeit aller Zeiten. Er ist bekannter als jeder Politiker auf der Welt. Das Fundament für seinen außergewöhnlichen Status ist natürlich die sportliche Vita: Olympiasieger 1960 in Rom im Halbschwergewicht, jüngster Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten mit dem T.K.o.-Sieg 1964 über den unbezwingbar scheinenden Sonny Liston, 1974 im "Rumble in the Jungle" in Kinshasa/Zaire nach sensationellem K.o.-Sieg über Knockouter und Titelverteidiger George Foreman zum zweiten Mal Weltmeister aller Klassen und mit dem Punktsieg in der Revanche gegen Leon Spinks 1978 schließlich der erste, der dreimal die Schwergewichts-Krone gewann.  
     
     
  Mit seinen häufig zielgenauen Prophezeiungen über den Ausgang seiner Kämpfe ("They all fall in the round I call") verblüffte er die Medien und Fans. Er begeisterte die Massen mit seinen Sprüchen und Reimen oder den Tiraden gegen seine Gegner. Vor seinem Kampf gegen Ex-Weltmeister Floyd Patterson verhöhnte er diesen als "Hasen" und überreichte ihm einen Bund Mohrrüben. Seinen Erzrivalen Joe Frazier, mit dem er sich in den siebziger Jahren drei epische Ringschlachten lieferte, beschimpfte er als "Uncle Tom", Neger oder als Gorilla. Er provozierte "Smokin Joe" während einer TV-Live-Übertragung im Studio derart, dass beide vor laufenden Kameras aufeinander losgingen.
 
Doch der selbsternannte "Größte" und "Schönste" spaltete auch die Nation. Mit seinem Übertritt zum Islam und den Black Muslims nach dem ersten Fight gegen Liston 1964 löste der als Cassius Marcellus Clay in Louisville/Kentucky geborene Ausnahmeboxer öffentliche Kontroversen aus.
 
Wegen seiner Wehrdienstverweigerung aus religiösen Gründen und der öffentlichen Kritik am Vietnamkrieg wurde Ali im reaktionären weißen Amerika zum meist gehassten Mann der Nation. Die Retourkutsche kam mit der Aberkennung seines WM-Titels 1967 und des Einzugs seiner Profibox-Lizenz. Zudem drohten ihm Gefängnis von bis zu fünf Jahren. Aus Enttäuschung schleuderte Ali seine Goldmedaille von Rom in den Ohio River. Nach drei Jahren erhielt Ali seine Lizenz zurück. 1971 hob der oberste Gerichtshof der USA auch das Urteil gegen ihn auf. Schon damals hatte er den Status einer lebenden Legende.
 
Den Box-Fans werden aber in erster Linie die außergewöhnlichen Kämpfe Alis in Erinnerung bleiben. Die Revanche gegen Sonny Liston am 25. Mai 1965 in Lewiston/Maine endete in einer Farce, als Liston nach einer kurzen Rechten Alis zur Schläfe zu Boden ging und danach kampfunfähig war. Der Schlag ging als "Phantom Punch" in die Geschichte ein. Ali hatte es zunächst selbst nicht glauben wollen und schrie den am Boden liegenden Ex-Weltmeister an: "Steh auf und kämpfe, du Trottel!" Danach sahen die Zuschauer in den weiteren Titelverteidigungen den besten Ali, den es je gegeben hat.
 
Den kanadischen Holzfäller George Chuvalo vermöbelte er 15 Runden lang, Floyd Patterson, Henry Cooper, Brian London, der Deutsche Karl Mildenberger oder auch Cleveland "Big Cat" Williams wurden von Großmaul Ali zum Teil auseinander genommen und vorzeitig besiegt. Ali bewegte sich im Ring wie ein Leichtgewichtler und hatte unglaublich schnelle Fäuste. Zum Markenzeichen wurde seine Maxime "Float like a butterfly, sting like a bee" (Schwebe wie ein Schmetterling und stich zu wie eine Biene). Auf seinem sportlichen Zenit war Ali zweifelsohne 1967, als er Konkurrenz-Weltmeister Ernie Terrell über 15 Runden mit schmerzhaften Schlägen und Kombinationen für dessen Respektlosigkeit bestrafte. Terrell hatte nie Alis Zugehörigkeit zum Islam anerkannt und ihn deshalb mit seinem Geburtsnamen Cassius Clay gerufen. Während des Fights knallte Ali Terrell dafür links und rechts die Schläge um die Ohren und schrie ihn an: "What´s my name?" ("Wie heiße ich?").
 
Die Eleganz der Sechziger erreichte Ali nach seiner Sperre nie wieder, trotzdem wirkte er immer noch geschmeidiger als jeder andere Schwergewichtler seiner Zeit. Doch Ali war verwundbar geworden, über drei Jahre Ringpause hatten ihre Spuren hinterlassen. Im "Kampf des Jahrhunderts" 1971 gegen Joe Frazier kassierte er seine erste Niederlage, weil er nach einem linken Kopfhaken in der 15. Runde einmal zu Boden ging. Nach einer weiteren Schlappe gegen Ken Norton, gegen den er elf Runden lang mit gebrochenem Kiefer kämpfte, gewann Ali 1974 die Revanche gegen Frazier, ein Punktsieg über zwölf Runden, der als WM-Ausscheidung für einen Fight gegen Weltmeister Foreman galt.
 
Am 30. Oktober 1974 in Kinshasa zeigte Ali dann meisterhaft, was für ein großartiger Taktiker er war. Er ließ sich acht Runden in den Seilen hängen und von Foreman mit Schlägen traktieren. Er selbst nannte dies die "Rope-A-Dope"-Taktik. In Spurts setzte Ali dem immer müder werdenden Weltmeister mit genauen Kombinationen zum Kopf zu. Schließlich beendete Ali in der Schwüle Afrikas den Fight in Runde acht und schlug Foreman K.o. Der Ausnahme-Fighter hatte alle getäuscht, jeder hatte einen tanzenden Ali erwartet.
 
Der "Thrilla in Manila" 1975, der dritte Fight gegen Joe Frazier, war für Ali der letzte wirklich große Kampf. Beide Fighter lebten nur von ihrem Willen, der von Ali siegte. In der Pause zur 15. Runde wurde der völlig zugeschwollene Frazier von seiner Ecke aus dem Fight genommen. Die beiden Erzrivalen mussten drei Wochen ins Krankenhaus. "Es war nahe am Tod", sage Ali nach der Schlacht.
 
Es folgte der Rücktritt nach dem Sieg gegen Spinks 1978 und die Rückkehr 1980 gegen seinen ehemaligen Sparringspartner Larry Holmes, von dem er bitter verprügelt wurde. Ali ließ sich nicht belehren, kam gegen Trevor Berbick 1981 nochmals zurück und verlor ebenfalls. Die Diskussionen, ob seine Krankheit (Parkinsonsches Syndrom) durch diese unnötigen Fights begünstigt wurde, halten immer noch an.
 
Der neunfache Vater verbringt auf seiner Farm in Michigan zusammen mit Ehefrau Lonnie ein zufriedenes Leben. Er setzt sich für Minderheiten ein, besucht Bedürftige in aller Welt und versucht, in politischen Konflikten zu vermitteln, wie 1991 in der Irak-Krise. 1996 in Atlanta wurde ihm die Ehre zuteil, das Olympische Feuer zu entzünden. Und 1997 kam sein Fight gegen George Foreman in der preisgekrönten Dokumentation "When we were Kings" in die Kinos. Im letzten Jahr kam die Verfilmung seines Lebens unter dem Namen "Ali" ebenfalls in die Kinos. Zur Deutschland-Premiere des Films in Riesa erschien "The Greatest" sogar persönlich.