Wussten Sie eigentlich, dass die gesamte Belegschaft des "VEB Witz, Ulk und Frohsinn" in Kalau aus glühenden Boxfans besteht? Wussten Sie nicht? Dann hören Sie sich mal die zwei neuesten Planerfüllungs-Beiträge der Pointen-Schmiede an.
Anfrage an den Sender Jerewan: Geht es dem deutschen Boxen noch lange gut? Antwort: Im Prinzip ja, solange wir den Arthur Abra ham’…

King Arthur gewann bereits 21-mal bei seinen 26 Siegen durch K.o.
Und: Anfrage an den Sender Jerewan: Kann man Sylvester mehrmals im Jahr feiern? Antwort: Im Prinzip nein, außer Sebastian lässt es krachen.
Mal ehrlich: Haben die deutschen Faustkampf-Fans jemals eine spektakulärere Eins-Zwei-Kombination in Ring erleben dürfen als diese beiden K.o.-Matadore? Abraham und Sylvester, das explosivste Duo seit Nitro und Glyzerin.

Sebastian Sylvester knockte am 12. April Javier Castillejo aus
Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich an den Knockout denke, mit dem Abraham den tapferen Khoren Gevor in die Klinik am Berliner Friedrichshain schickte. Habe dasselbe, kribbelige Gefühl, wenn mir die Szenen des Aufwärtshakens durchs Gehirn schießen, mit dem Arthur in Kiel Elvin Ayala aus den Schuhen und aus dem Bewusstsein hob. Und meine Gefühlswelt nach dem Volltreffer von Sebastian Sylvester gegen Javier Castillejo schickte mich auf eine Zeitreise, eine Zeitreise der Angst.
Arthur Abraham knockte am 29. März Elvin Ayala in Runde zwölf aus
Ausgerechnet Sven Ottke, alles andere als ein Haudrauf, war im Dezember 2001 in Dortmund für den bisher brutalsten K.o. verantwortlich, den ich je live am Ring erlebte. Runde zehn gegen das australische Großmaul Anthony Mundine (übrigens aktuell Weltmeister der WBA im Super-Mittelgewicht), Ottke mit Problemen, weil Mundines aberwitzige Schnelligkeit und unglaubliche Reflexe Svennies großen Vorteil - aberwitzige Schnelligkeit und unglaubliche Reflexe - neutralisierte. Dann krachte Ottkes rechte Faust an Mundines linke Schläfe, der Ex-Rugby-Spieler brach zusammen als wäre er erschossen worden.
Unvergessen: Ottkes K.o. gegen den Australier Anthony Mundine
Ich hatte Angst. Und mit mir Tausende von Fans in der Westfalenhalle. Es dauerte fast sieben Minuten, ehe Mundine das erste Lebenszeichen von sich gab. Erst dann konnte die Freude über Ottkes Sieg richtig reinknallen.
Genauso war es in Neubrandenburg mit Sylvester und Castillejo. Erst als der schwer geschlagene Spanier wieder signalisierte, dass ihm nichts Katastrophales passiert war, wich die Furcht vor einem schweren Box-Unfall. Und das Gehirn konnte als Huldigung für Sylvester, diesen Kämpfer mit dem Herz aus Diamant, Raketen und Böller zünden.
Der Spanier Javier Castillejo lag nach Sylvesters K.o.-Hammer am Boden
Nichts gegen Felix Sturm, der ebenfalls zu großen Leistungen fähig ist. Aber Abraham und Sylvester liefern derzeit einfach für jeden Euro viel mehr Feuro. Und wenn es wirklich das Duell Sturm gegen Sylvester geben sollte, wird das ein Feiertag für das deutsche Boxen. Vermutlich aber ein kurzrundiger.
Das Duell Abraham gegen Sturm hingegen wird es nicht geben. King Arthur ist auf dem Sprung in die USA. Am 21. Juni hat der Indianer-Stamm der Seminolen, inzwischen einer der größten Box-Veranstalter in den Vereinigten Staaten (das ist mal eine Extra-Kolumne wert), einen Termin in Florida reserviert. Die Revanche für die Blutschlacht von Wetzlar, das zweite Aufeinandertreffen mit dem Kolumbianer Edison Miranda, soll steigen.
Treffen wieder aufeinander: Edison Miranda und Arthur Abraham
Leon Margules, Box-Boss der Seminolen und Superfan von Miranda, prophezeit Abraham die Hölle auf Erden. "Das wird ein Feuerwerk und ist schon vor dem ersten Gong ein Kandidat für den Kampf des Jahres 2008."
Um es noch mal zu wiederholen: Dem Boxen geht es gut, solange wir Arthur Abra ham’ (und Sylvester mehrmals im Jahr feiern können).
Autor: Andreas Lorenz

Andreas Lorenz, Jahrgang 1962, geboren in Nürnberg, ist seit 1985 Sportjournalist. Nach 16 Jahren beim Axel-Springer-Verlag, dabei seit 1998 Sportchef der "Berliner Morgenpost" und zuletzt Ressortleiter der fusionierten Sportredaktionen der "Berliner Morgenpost", "Welt" und der "Welt am Sonntag", arbeitete er in den Jahren 2002 und 2003 als Freier Autor und schrieb das Buch "Sven Ottke: Ich lebe meinen Traum" und die Autobiografie der Boxweltmeisterin Regina Halmich "Noch Fragen?". Seit 2004 ist er Sportressortleiter beim "Berliner Kurier". Den Boxsport verfolgt Lorenz seit 1987, begleitete Graciano "Rocky" Rocchigiani, Henry Maske, Sven Ottke und Axel Schulz durch ihre Karrieren und saß bei zahlreichen WM-Kämpfen und drei Olympischen Spielen am Ring.
Fotos: SE und Photo Wende
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