Kessler souverän, Froch...
Pressekonferenz in London ohne verbale Tiefschläge - Kontrahenten respektvoll!
Huck vs. Afolabi III...
Schon beim zweiten Fight im letzten Jahr überschlugen sich die Experten vor Lob
Arthur Abraham
Mit seinem spektakulären Kampfstil hat der 30-Jährige die Herzen der Fans im Sturm erobert - und das nicht nur in Deutschland. Spätestens seit seinem K.o.-Sieg über Erzfeind Edison Miranda, den er im Juni 2008 in Hollywood, Florida in der vierten Runde gleich dreimal zu Boden schickte, ist Abraham auch in Amerika berühmt. „Ich will die ganz großen Kämpfe machen", so der Champion. „Und dazu muss man die Zuschauer in den USA für sich gewinnen."
Schon jetzt gilt Abraham als einer der stärksten Boxer der Welt. Bei den gewichtsklassenübergreifenden Ratings („pound-for-pound) des hoch angesehenen US Fernsehsenders ESPN war er 2009 als einziger Deutscher - und als einziger Vertreter eines deutschen Boxstalls - in den Top 20. Von Felix Sturm oder den Klitschkos fehlte jede Spur. Keine Frage, die Schlagkraft des gebürtigen Armeniers hat Eindruck hinterlassen. Besonders der Sieg in der „Schlacht von Wetzlar" sticht heraus. Obwohl er acht Runden mit doppelt gebrochenem Kiefer durchstehen musste, besiegte er Edison Miranda im September 2006 klar nach Punkten. „Ein Mann muss auch Schmerzen ertragen können", sagte Abraham damals. „Ich habe lieber Schmerzen und den WM-Gürtel als nur die Schmerzen." Zwei Titanplatten und 22 Schrauben halten seither seinen Kiefer zusammen, was oftmals ungläubige Blicke des Flughafensicherheitspersonals nach sich zieht. „Wenn ich irgendwo hinfliege, habe ich sicherheitshalber immer eine Röntgenaufnahme dabei", lacht der Champion. Zehnmal verteidigte er seinen Titel im Mittelgewicht, bevor es als ungeschlagener Champion ins Super-Mittelgewicht wechselte. Dort misst er sich zur Zeit im Rahmen des Super-Six-Turniers mit den besten Boxern der Welt. „Die Zeit war reif für neue Herausforderungen. Leider wollten weder Felix Sturm noch Kelly Pavlik gegen mich antreten. Jetzt will ich auch in der neuen Gewichtsklasse der beste Boxer der Welt werden."
Doch der Reihe nach: Seit Juli 2003 ist er bei Sauerland Event unter Vertrag. Nur wenig später, am 16. August, gab er im Boxzelt auf dem Nürburgring in einem Vier-Runden-Kampf gegen Frank Kary aus Neuwied sein erfolgreiches Profidebüt. „Im Februar 2003 hat sich Abraham bei mir vorgestellt und mich gebeten, ihn in das Box-Team aufzunehmen", erzählt Cheftrainer Ulli Wegner, "ich habe ihn dann als Sparringpartner von Sven Ottke verpflichtet." Abraham war zunächst Trainingspartner des damaligen Weltmeisters, als sich dieser auf seinen WM-Kampf gegen Byron Mitchell vorbereitete. "Der Junge hat sich gut angestellt und enorm im Training angestrengt", sagt Wegner, "mir war bald klar, dass Abraham gut zu uns passen würde." Abraham, der am 20. Februar 1980 zur Welt kam, hat als Amateur 90 Kämpfe bestritten, von denen er 81 gewann. Sechsmal boxte er unentschieden und musste lediglich drei Niederlagen einstecken. Sein größter Erfolg als Amateur war der Titel Internationaler Deutscher Meister im Jahr 1997. "Arthur ist ein sehr robuster und schlagstarker Mann", sagt Wegner, "er bringt eine gute Athletik mit und hat eine angeborene Raffinesse. Ihm liegt die Boxwelt zu Füßen, doch er muss weiter hart an sich arbeiten." Der Mittelgewichtler, der gemeinsam mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder Alexander 1995 nach Deutschland kam, lebt heute in Berlin.
Am 10. Dezember 2005 bekam Abraham die Chance, auf die er zehn Jahre lang hingearbeitet hatte - in Leipzig kämpfte er um den Weltmeistertitel der IBF. Gegen Kingsley Ikeke gelang ihm ein überragender K.o.-Sieg in der fünften Runde. Zehn spannende Titelverteidigungen - und zwei grandiose Triumphe über Edison Miranda - verhalfen ihm zu so viel Berühmtheit und Anerkennung, dass SHOWTIME ihn unbedingt im Turnier der besten Super-Mittelgewichtler der Welt dabeihaben wollte. "Das war eine große Ehre für mich. Ich habe keine Sekunde gezögert, meinen Titel sofort niedergelegt und mich auf eine neue Herausforderung gefreut." Zu Beginn der "Champions League des Boxens" landete King Arthur einen viel beachteten K.o.-Sieg über die amerikanische Ringlegende Jermain Taylor. Vor ausverkauftem Haus in der o2 World in Berlin streckte er seinen Kontrahenten in der letzten Runde nieder, was ihm drei Punkte und die zwischenzeitliche Turnierführung einbrachte. Es folgte eine umstrittene Disqualifikationsniederlage gegen Andre Dirrell in Detroit, ehe Carl Froch in Helsinki Abraham im Kampf um die vakante WBC-Weltmeisterschaft bezwang. Dank des Bonuspunktes vom Taylor-K.o. steht Abraham aber dennoch im Super-Six-Halbfinale, wo er auf WBA-Champion Andre Ward trifft.
(Fotos: Howard Schatz)








