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Dienstag, 2008-10-21

Wolke in Oldenburg

Einer der ganz Großen des Boxens kommt in die Weser-Ems-Halle

Wenn Danilo Häußler am Samstagabend in der Weser-Ems-Halle in Oldenburg gegen den Dänen Mikkel Kessler in den Ring steigt, dann ist das nicht nur für den 33-jährigen WBA-Weltranglistenersten selbst ein riesiges Highlight. Auch für seinen Coach Manfred Wolke, der den in Schwedt geborenen Super-Mittelgewichtler seit über elf Jahren in Frankfurt (Oder) trainiert, steht mit dem Fight um die WBA-Weltmeisterschaft ein weiterer Höhepunkt auf dem Programm.

Trainer Manfred Wolke (65) hat immer noch Spaß am Boxsport (Foto: SE)
Im Amateurlager war Wolke sowohl als aktiver Athlet wie auch als Trainer einer der erfolgreichsten der ehemaligen DDR. 1968 gewann er in Mexiko bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im Weltergewicht. Als Coach holte er später mit seinen Schützlingen gleich mehrfach Edelmetall bei Europa-, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Unter anderem gewannen Rudi Fink (1980) und Henry Maske (1988) olympisches Gold. Als Amateur erkämpfte Maske dazu noch die Titel des Welt- und Europameisters.
Was dann kam, dürfte wohl in den Köpfen der deutschen Boxsportfans ewig in Erinnerung bleiben. Der Trainer, der 1943 in Potsdam geboren wurde, führte Henry Maske nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1993 zum IBF-Weltmeistertitel im Halbschwergewicht und löste damit einen wahren Boom in der deutschen Profiboxszene aus. Den WM-Gürtel verteidigte der "Gentleman" danach insgesamt zehnmal, ehe er im November 1996 erst einmal die Laufbahn als aktiver Leistungssportler beendete.

Mit Henry Maske erzielte Wolke unzählige Erfolge (Foto: Photo Wende)
Mit Axel Schulz formte Wolke zu dieser Zeit aber noch einen weiteren Top-Athleten in seinem Trainingscamp in Frankfurt (Oder). Zum Gewinn der Weltmeisterschaft im Schwergewicht reichte es für "Schulle" nicht, auch wenn er dreimal in seiner Laufbahn die Möglichkeit erhielt, um die IBF-Krone in der Königsklasse zu boxen. Im legendären Wolke-Camp kehrte aber auch nach den Erfolgen von Maske und Schulz keine Ruhe ein. Denn mit Danilo Häußler "zauberte" der Boxtrainer ein weiteres Ass aus dem Ärmel.
In dem umgebauten Eisenbahnschuppen, der inzwischen einem neuen Camp im Stadtteil Neuberesinchen gewichen ist, führte er den jungen Kämpfer in aller Ruhe an größere Aufgaben heran. Im Januar 2001 gelang Häußler, dem zuvor wohl nur wenige einen großen Profititel zugetraut hatten, gegen den Russen Andrej Shkalikov in Riesa der Gewinn der Europameisterschaft im Super-Mittelgewicht. "Keiner hatte Danilo damals den Sieg zugetraut. Aber er hat großartig gekämpft - eine bleibende Erinnerung, die ich nie vergessen werde", blickt der Coach zurück.

Häußler und Wolke, seit über elf Jahren ein Team (Foto: Photo Wende)
Doch es gab auch schwere Zeiten für Häußler und seinen Trainer. "Danilo verteidigte den EM-Titel sechsmal. Bei der siebten Titelverteidigung traf er dann auf Mads Larsen. Da wollte er einfach zu viel und fing sich völlig unnötige Treffer ein", erinnert sich Wolke. Doch Danilo Häußler ist daran nicht zerbrochen. Im Gegenteil: Im nächsten Kampf eroberte der in Schwedt geborene Super-Mittelgewichtler die IBF-Intercontinental Meisterschaft. Später folgte noch der Gewinn der WBA-Intercontinental Meisterschaft.
Zwar kassierte Danilo Häußler noch zwei weitere Niederlagen in seiner Laufbahn, doch Wolke ist sich sicher, dass sein Schützling an den Erfahrungen daraus gewachsen ist. "Die Kämpfe, die ich gegen Rudy Markussen und Mohammad Said verloren habe, sind längst abgehakt. Das ist lange her", bestätigt Häußler. "Manfred Wolke und ich verstehen uns auf menschlicher und sportlicher Ebene sehr gut. Der Trainer weiß genau, wann es nötig ist, die Zügel anzuziehen. Ich vertraue ihm und weiß, dass er mich hervorragend auf meine Kämpfe einstellt."

Manfred Wolke genießt als Trainer einen ausgezeichneten Ruf (Foto: SE)
Von den Qualitäten des Coaches konnten sich die Boxsportfans weltweit auch noch einmal im März letzten Jahres überzeugen. Denn als Henry Maske im Alter von 43 Jahren einen Comebackfight gegen Virgil Hill wagte, durfte ein Mann in der Ringecke nicht fehlen: Manfred Wolke. Nach dem Sieg des "Gentlemans" überschüttete die Presse den Coach förmlich mit Lob. Und Wolke wurde vom MDR Fernsehen und der Zeitschrift Super Illu im Friedrichstadtpalast Berlin die "Goldene Henne 2007" in der Kategorie "Lebenswerk Sport" verliehen.
Egal wie der Kampf um die WBA-WM am Samstag auch ausgehen mag, eines ist schon jetzt klar: Mit Danilo Häußlers Trainer Manfred Wolke hält einer der ganz Großen des internationalen Boxens Einzug in die Weser-Ems-Halle. Sollte Häußler tatsächlich den favorisierten Kessler schlagen, wäre das für Manfred Wolke ein weiterer Höhepunkt einer erfolgreichen Trainerkarriere. Und auch wenn es nicht zum Sieg reichen sollte, werden im Wolke-Camp die Lichter nicht ausgehen. Denn mit Enad Licina, Martin Kempf und Jürgen Doberstein stehen schon die nächsten Kämpfer bereit, die erfolgreich in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten wollen.