Deutsch English
21.01.2017
Top-Thema

Härtel und Bunn: Gegner fix!

Sauerland-Boxer im Länderkampf "Deutschland vs. Polen" am 21. Januar!

Zeuge boxt am 18. März!

WBA-Weltmeister bereitet sich auf erste Titelverteidigung vor

Top-Video
Video ansehen

 

 

NEWS
Montag, 2008-10-27

Sylvester im Interview

Sturm vs. Hurrikan – Sebastian Sylvester fordert den Weltmeister

Am 1. November fordert der 28-jährige WBA-Weltranglistenerste Sebastian Sylvester (31 Profikämpfe, 29 Siege) den amtierenden Champion der World Boxing Association Felix Sturm (33 Profikämpfe, 30 Siege, 1 Unentschieden) heraus. Den Kampf nennen die Medien das "Hass-Duell". Vor dem mit Spannung erwarteten Fight stellt sich der "Hurrikan" Sebastian Sylvester den Fragen von boxen.com.

Sebastian Sylvester (28) kämpft in Oberhausen um die WBA-WM
Sebastian, nicht mal mehr eine Woche bis zum Kampf. Und Sie wirken sehr gelassen.
Sebastian Sylvester: Ja. Das bin ich auch. Warum sollte ich nicht?
Weil so kurz vor Ihrem wichtigsten Kampf der Druck schon spürbar sein könnte…
Sebastian Sylvester: Nein. Jedenfalls nicht bei mir. Ich bin der Herausforderer und boxe quasi auswärts bei Universum. Ich bin gut vorbereitet, ich habe mir diesen WM-Kampf durch einen überzeugenden Sieg gegen Javier Castillejo verdient. Auf die WM-Chance habe ich lange hingearbeitet, und jetzt freue ich mich auf den Kampf. Der einzige, der hier Druck hat, ist Adnan Catic.
Sie nennen Sturm immer bei seinem Geburtsnamen. Warum?
Sebastian Sylvester: Weil er so heißt. Ich kenne ihn seit Jahren, schon als Amateurboxer, als Adnan Catic. Wenn er als Profi seinen Vatersnamen ablegt und sich einen Künstlernamen gibt, ist das seine Sache, aber ich muss ihn ja nicht so ansprechen. Mich nennt man ja auch Sebastian und nicht Herr Hurrikan.
Im gegnerischen Lager sorgte das ein wenig für Verstimmung.
Sebastian Sylvester: Ja nun, so ist das eben. Aber es ist ja nicht mein Job, bei Universum für gute Laune zu sorgen. Die sind offenbar ziemlich nervös, dass wir ihr Flaggschiff getreu unserem Wikinger-Motto jagen, rammen und versenken werden.

Man hat Ihnen, weil Sie Sturm Catic nennen, Ausländerfeindlichkeit vorgeworfen.
Sebastian Sylvester: Ja, das wurde wirklich behauptet. Und es ist totaler Blödsinn. Wir haben in unserem Team Boxer aus diversen Ländern, und ich habe mit keinem ein Problem wegen seiner Herkunft. Was hat es mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, wenn ich einen Gegner bei dem Namen nenne, den seine Eltern ihm gegeben haben? Seine Freunde nennen ihn ja auch Adnan.

Hat sich für Samstag eine Menge vorgenommen: Sebastian Sylvester
Ist dieser Kampf das von den Medien so genannte Hass-Duell?
Sebastian Sylvester: Hass ist ein starkes Gefühl, und ich empfinde keine starken Gefühle für Catic. Aber Freunde werden wir sicher auch nie.
Ihr Trainer Hartmut Schröder nannte Sturm arrogant. Hat er Recht?
Sebastian Sylvester: Mein Trainer hat immer Recht.
Und er hat gesagt, Sturm solle sich am 1. November einen warmen Mantel mitnehmen, weil er lange liegen würde.
Sebastian Sylvester: Ja, das hat er gesagt. Das war aber eine Reaktion auf die Beleidigung von Catic. Der hat auf der ersten Pressekonferenz gemeint, ich hätte kein Herz, kein Kinn und nichts im Kopf. Das konnte mein Trainer nicht auf sich sitzen lassen.
Wie haben Sie darauf reagiert, als Sturm bei dieser Pressekonferenz das gemeinsame Foto verweigert hat.
Sebastian Sylvester: Da hab´ ich gar nicht reagiert.
Wirklich? Keine Reaktion?
Sebastian Sylvester: Ich habe das, sagen wir mal, zur Kenntnis genommen. Mir ist es doch egal, ob sich Adnan mit mir fotografieren lässt. Aber er wird schon seine Gründe haben.
Welche könnten das sein?
Sebastian Sylvester: Er scheint ziemlich unter Druck zu stehen. Klar, wenn er als Weltmeister auf seiner eigenen Veranstaltung gegen mich, den er mal als Pflaume bezeichnet hat, K.o. geht, steht er ziemlich dumm da.
Glauben Sie, Sturm ist nervös?
Sebastian Sylvester: Davon gehe ich aus. Er wird ja meinen K.o.-Sieg gegen Castillejo gesehen haben, und er ist ja nicht gerade für seine Nehmerqualitäten berühmt. Der ganze Druck lastet auf ihm.

Sebastian Sylvester gewann bisher 29 seiner 31 Profikämpfe (Fotos: SE)
Sie rechnen mit einem vorzeitigen Sieg?
Sebastian Sylvester: Einen K.o. kann man nicht planen. Aber Adnan hat den Weltmeister- und den Heimbonus, da wird es schwer, nach Punkten zu gewinnen.
Was ist das wichtigste für Sie im Leben?
Sebastian Sylvester: Das wichtigste ist für mich meine Familie. Dass es meiner Frau und meiner Tochter gut geht, wir jetzt zusammen in einem Häuschen bei Greifswald leben, das macht mich glücklich. Sportlicher Erfolg ist auch wichtig. Aber vor allem auch, dass man Spaß hat bei dem, was man tut, und dass es in unserem Team menschlich so gut funktioniert.
Welchen Anteil hat ihr Trainer Hartmut Schröder am Erfolg?
Sebastian Sylvester: Einen ganz großen. Er ist sehr wichtig für mich. Und ich bewundere ihn, weil er über die Jahre solche Geduld mit mir hatte.
Ihr Team trägt T-Shirts mit der Aufschrift "1. November - Sturmtief in der Sylvesternacht."
Sebastian Sylvester: Ja, mein Manager Winfried Spiering ist da sehr kreativ. Es ist ja normal, dass im Umfeld, auch von den Journalisten, so ein bisschen Dampf gemacht wird. Das gehört ja zum Boxgeschäft auch dazu.
Sie wirken alles in allem sehr selbstbewusst.
Sebastian Sylvester: Ja, bin ich auch. Selbstbewusst und ruhig. Ich kenne meine Stärken und meine Schwächen. Ich vertraue der Taktik meines Trainers und ich weiß, dass ich in der Vorbereitung so gearbeitet habe, dass ich hundertprozentig meine Leistung abrufen kann. Also schauen wir mal, was am 1. November passiert.