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Samstag, 2007-04-07

Zehnter Fight für Hernandez

Er war Weltmeister der Junioren, er war bei Olympia – dann folgte die Flucht aus Kuba. Die Boxkarriere in der legendären Nationalstaffel des sozialistischen Staates hatte für Yoan Pablo Hernandez eigentlich gerade erst angefangen. Doch im April 2005, nach dem Finale des 33. Chemiepokals in Halle an der Saale, packte der junge Amateurboxer seine Koffer und nutzte in Deutschland die Chance zur Flucht.

Yoan Pablo Hernandez (l.) lebt seit April 2005 in Deutschland (Foto: SE)
"Schon als ich in Kuba in den Flieger stieg, wusste ich: Diesmal tue ich es. Alles hatte ich mir schon seit einem Jahr überlegt. Meine Mutter rief ich später aus Halle an. Selbst sie hatte vorher nichts gewusst", blickt er zurück. Seine Eltern und Geschwister hat er seither nicht mehr gesehen. Doch er steht mit ihnen in Kontakt. "Das gibt manchmal eine saftige Telefonrechnung, aber das tröstet ein wenig über das Heimweh hinweg", sagt der inzwischen 22-Jährige.
Yoan Pablo Hernandez will seine Familie aus der Ferne unterstützen - zum Beispiel mit Geld. Auch deshalb machte er seinen Sport zum Beruf. Der zweite Grund: die boxerische Klasse des Cruisergewichtlers. Am 3. September 2005 gab er im ICC Berlin sein Profidebüt, bezwang den Tschechen David Vicena durch technischen K.o. in der zweiten Runde. Acht weitere Siege folgten.
In der Porsche-Arena in Stuttgart steht am 14. April für Yoan Pablo Hernandez somit der zehnte Profikampf auf dem Programm. Dabei trifft der Rechtsausleger auf den 31-jährigen Argentinier Hector Alfredo Avila. Erfolgscoach Ulli Wegner, der den jungen Cruisergewichtler seit dem Wechsel zu den Berufsboxern betreut, schwärmt: "Der Junge hat wirklich Talent, kann schon bald ganz oben sein."

Yoan Pablo Hernandez (r.) gewann bisher alle neun Profikämpfe (Foto: SE)
Dafür benötigt er weitere Bewährungsproben. "Yoan Pablo Hernandez wird nicht mehr lange brauchen, dann kann er um eine Weltmeisterschaft boxen. Ich bin sicher, dass er sich aufgrund seiner bescheidenen, freundlichen Art zu einem Publikumsliebling entwickeln wird", kündigt Wegner, der mit Marco Huck und Alexander Frenkel im Cruisergewicht noch zwei weitere ganz heiße Eisen im Feuer hat, an.
Hernandez strebt ebenfalls nach größeren Aufgaben. "Ein paar Kämpfe noch, dann möchte ich um die ersten internationalen Titel boxen", sagt er. Nach überstandener Meniskusoperation im Dezember letzten Jahres steht in Stuttgart der erste Kampf in diesem Jahr für ihn an. "Seit Mitte Februar bin ich wieder voll im Training, alles lief gut", verrät der Cruisergewichtler, der nebenbei schon kräftig an seiner deutschen Sprache gearbeitet hat.
Seine Flucht von der warmen Tabak- und Zuckerrohrinsel Kuba ins verhältnismäßig kühle Deutschland bereut er nicht. "Ich habe nicht einen einzigen Verwandten in Europa, da ist klar, dass mir die Familie fehlt. Doch mir gefällt es hier gut. Deshalb möchte ich ganz schnell Deutscher werden. Mit Trainer Ulli Wegner habe ich zudem jemand an meiner Seite, mit dem ich mich verstehe und mit dem ich es weit bringen kann", blickt er voraus.