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Samstag, 2007-06-16

Hernandez gegen Hansvoll

Reizvolles Duell in Zwickau

Am 23. Juni dürfen sich die Boxsportfans in Zwickau im Rahmenprogramm des Europameisterschaftskampfes von Sebastian Sylvester auf einen spannenden Fight im Cruisergewicht freuen. Yoan Pablo Hernandez gegen Thomas Hansvoll - das ist das Duell des Box-Virtuosen von der Zuckerrohinsel Kuba gegen den rauen Kämpfer vom norwegischen Oslofjord. Ähnlich unterschiedlich wie die Herkunft der beiden ist auch ihr bisheriger Werdegang.

Yoan Pablo Hernandez hat bisher alle zehn Profikämpfe gewonnen
Hernandez war Weltmeister der Junioren, er war bei Olympia - dann folgte die Flucht aus Kuba. Im April 2005, nach dem Finale des 33. Chemiepokals in Halle an der Saale, packte der junge Amateurboxer seine Koffer und nutzte in Deutschland die Chance zur Flucht. "Schon als ich in Kuba in den Flieger stieg, wusste ich: Diesmal tue ich es. Alles hatte ich mir schon seit einem Jahr überlegt. Meine Mutter rief ich erst später an. Selbst sie hatte vorher nichts gewusst", blickt Pablo zurück.
Seine Eltern und Geschwister hat er seither nicht mehr gesehen. Doch er steht mit ihnen in Kontakt. "Das gibt manchmal eine saftige Telefonrechnung, aber es tröstet ein wenig über das Heimweh hinweg", sagt der inzwischen 22-Jährige, der gern in Deutschland lebt. Hernandez will seine Familie aus der Ferne unterstützen - zum Beispiel mit Geld. Auch deshalb machte er seinen Sport zum Beruf. Der zweite Grund: die boxerische Klasse des Cruisergewichtlers.

Yoan Pablo Hernandez bezwang am 14. April Hector Alfredo Avila
Am 3. September 2005 gab er in Berlin sein Profidebüt, bezwang den Tschechen David Vicena durch technischen K.o. in der zweiten Runde. Auch danach lief für Hernandez alles nach Plan, neun weitere Siege folgten. Ulli Wegner, der den Cruisergewichtler seit dem Wechsel zu den Berufsboxern trainiert, schwärmt: "Er hat wirklich Talent. Pablo wird nicht mehr all zu lange brauchen, dann kann er um einen Weltmeisterschaftstitel boxen."
Auch Hernandez selbst, der bei seinem letzten Kampf im April in der Porsche-Arena in Stuttgart den kampfstarken Argentinier Hector Alfredo Avila einstimmig nach Punkten besiegte, strebt inzwischen höhere Ziele an. "Ein paar Kämpfe noch, dann möchte ich um die ersten internationalen Titel boxen", sagt er. Eine echte Bewährungsprobe auf dem Weg dorthin ist der Kampf am 23. Juni in der Stadthalle Zwickau gegen Thomas Hansvoll.

Thomas Hansvoll erboxte 25 Siege und zwei Unentschieden in 30 Kämpfen
Sein Gegner, genau wie Hernandez ein Rechtsausleger, ist in der internationalen Boxsportszene kein unbeschriebenes Blatt. Da in Norwegen seit 1981 keine Profikämpfe mehr ausgetragen werden dürfen, bestritt Hansvoll, der 1994 Berufsboxer wurde, die meisten seiner Fights im benachbarten Dänemark. Nach 22 Siegen, zwei Niederlagen und einem Unentschieden bekam der Skandinavier im Mai 2002 in Frankreich seine erste große Titelchance.
In Levallois-Perret unterlag er gegen den damaligen WBA-Weltmeister im Halbschwergewicht, Bruno Girard, knapp nach Punkten. Nach der Niederlage sah er in der Gewichtsklasse bis 79,378 Kilogramm keine Perspektiven mehr und wechselte ins Cruisergewicht. Nach dem Gewinn der WBO-Intercontinental Meisterschaft im Februar 2003 stand er bald als Weltranglistenerster des Verbandes vor einem Kampf gegen den früheren WBO-Champion Johnny Nelson.

Johnny Nelson (auf den Fotos rechts) war lange WBO-Champion (Fotos: SE)
Doch der Norweger konnte sich mit seinem damaligen Management nicht über die Höhe der Kampfbörse einigen und verzichtete auf den Fight. Aus Enttäuschung über das Nicht-Zustandekommen des Kampfes und fehlende Perspektiven zog sich Hansvoll danach vorübergehend aus dem aktiven Boxsport zurück. Nach dreijähriger Pause folgte im Oktober letzten Jahres überraschend sein Comeback.
Gegen den in 20 Profikämpfen ungeschlagenen Johny Jensen erkämpfte Hansvoll in Dänemark ein Unentschieden. Ein solches Resultat hatten nach der langen Pause nur wenige für möglich gehalten. Seinen nächsten Streich plant der 32-jährige Norweger jetzt in Zwickau. Denn mit einem Sieg gegen den von Ulli Wegner trainierten Hernandez wäre der Skandinavier auf dem besten Weg, wieder in die Weltspitze vorzustoßen.