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Samstag, 2002-11-30

Witherspoon hört auf

Für eine "Faust voll Dollar" steigt Ex-Champ Tim Witherspoon am Samstag zum letzten Mal in den Ring

Nach der Veranstaltung am Samstag "Fistful of Dollars" bei der acht Schwergewichtler an einem Abend um 100.000 US-Dollar boxen werden, wird der frühere Weltmeister im Schwergewicht, Tim Witherspoon, seine Karriere beenden. Dies verkündete der 44 Jahre alte Athlet in einem Interview.
Eigentlich entschloss sich "Terrible" Tim schon nach seiner Niederlage gegen seinen US-Landsmann Lou Savarese im September zu diesem Schritt, bevor das Angebot zu den Showkämpfen kam, "aber ich habe mit ein paar Kerlen trainiert, und ich habe mir gesagt, dass dies keine wirklichen Kämpfe wie zehn Runden-Duelle sind, es geht um die Strategie, und es fließt Geld dabei, was kann ich also verlieren? Wenn ich merke, dass ich verletzt werden könnte, dann werde ich aufhören, weil ich im letzten Kampf gegen Savarese schon mein Ohr verletzt habe", sagte Witherspoon.
Sein ursprünglicher Gegner in der ersten Ausscheidungsphase der Kämpfe am Samstag in Atlantic City im US-Bundesstaat New Jersey, Paolo Vidoz aus Italien, sagte kurzfristig sein Engagement ab. Der neue Gegner für den Ex-Champion ist der zwölf Jahre jüngere Israel Garcia aus Puerto Rico.
Witherspoon – ein Boxer der "verlorenen Generation"
"Terrible Tim", so sein Kampfname, ist einer der Boxer der sogenannten "Lost Generation" - der verlorenen Generation von Boxern, wie Greg Page, Trevor Berbick, Pinklon Thomas, Tony Tucker und Tony Tubbs. Diese waren damals junge, wilde und rätselhafte Athleten, die angetreten waren, sich zu Beginn der 80-er Jahre um die Nachfolge des "größten" Boxers aller Zeiten, Muhammad Ali, zu streiten und den Boxolymp zu erklimmen.
Furchtlos mit dem Herz eines Löwen sahen diese Boxer aus, als ob sie über 50 Runden boxen könnten. Letztendlich waren sie aber meist drogenabhängige und lethargische Schattenboxer, die nicht annähernd in die Fußstapfen ihrer großen Vorgänger als Weltmeister treten konnten. Die meisten von ihnen wurden von Promoter Don King vertreten wie auch "Terrible Tim", der sie angeblich mit seinen Verträgen um ihren gerechten Anteil an den Einnahmen für die Kämpfe brachte. Witherspoon führte später einen Prozess gegen King und gewann.
Der Boxer aus Philadelphia boxte insgesamt in fünf Jahrzehnten. Witherspoon wechselte im Alter von 21 Jahren nach nur sieben Amateurkämpfen ins Profilager. Er bestritt von 1979 bis zum Jahre 2002 insgesamt 68 Profikämpfe (55 Siege, 12 Niederlagen und ein Unentschieden). Wobei er seither in jedem Jahr, außer 1993, im Ring stand. Seine Profiboxkarriere begann er mit einem technischen K.o.-Sieg in der ersten Runde über Joe Adams. Schon in seinem 16. Ringauftritt im Jahre 1983 brachte er bei seinem ersten WM-Kampf Larry Holmes an den Rand einer Niederlage. Die Punktrichter waren sich über den Ausgang nicht einig und stimmten jedoch mehrheitlich für den damaligen Champion Holmes.
Der große Erfolg lies dennoch nicht mehr lange auf sich warten: Seinen ersten WM-Titel holte sich der Boxer aus Philadelphia im darauffolgenden Jahr gegen Greg Page. Nach einer Niederlage bei seiner ersten Titelverteidigung des WBC-Titels gegen Pinklon Thomas holte sich Witherspoon den WM-Titel der WBA im Jahre 1986 gegen Tony Tubbs. Es folgte eine Titelverteidigung in England: Als den Höhepunkt seiner Karriere beschrieb Witherspoon immer seinen Sieg über den Briten Frank Bruno durch technischen K.o. in der elften Runde. Vor 55.000 Zuschauern verteidigte er im Juli 1986 seinen Titel im Wembley-Stadion in London.
Dem großen Triumph folgte im nächsten Kampf fünf Monate später eine seiner bittersten Niederlagen: Der Herausforderer James "Bonecrusher" Smith schlug Witherspoon im Madison Square Garden in New York in der ersten Runde dreimal nieder und gewann durch technischen K.o. den Weltmeistergürtel. Einmal gelang ihm in London noch eine Titelverteidigung in einem spektakulären Kampf im Wembley Stadion gegen Frank Bruno, ehe er auch diesen Titel gegen James "Bonecrusher" Smith 1987 wieder abgeben musste.
Ende eines Traumes
Mit seinem Karriereende platzt auch sein Traum, neben George Foreman der einzige Athlet in der Geschichte des Boxsports zu werden, der mit über 40 Jahren Weltmeister im Schwergewicht geworden wäre. Witherspoon war bis zum seiner Niederlage gegen Savarese auf dem neunten Platz der Weltrangliste der IBF platziert und rechnete sich große Chancen auf einen WM-Kampf aus.
Der sympathische Athlet möchte dem Boxsport erhalten bleiben und hat schon Angebote, als Trainer weiter zu arbeiten. Beim Kampf des IBF-Champions im Leichtgewicht, Paul Spadafora aus den USA gegen Dennis Holbaek aus Dänemark am 9. November, war er als Betreuer des Dänen in dessen Ringecke. Der Name Witherspoon wird also auch nach dem Wochenende nicht aus dem Boxsport verschwinden, zumal sein 18 Jahre alter Sohn ebenfalls boxt. Und dieser wird ab sofort trainiert von keinem geringeren als seinem Vater.