Deutsch English
24.05.2013
Top-Thema

Box-Stars in Berlin

IBF-Convention: Schappschüsse vom "Meet the Champions" in Berlin

Kessler souverän, Froch...

Pressekonferenz in London ohne verbale Tiefschläge - Kontrahenten respektvoll!

Top-Video
Video ansehen

 

 

NEWS
Sonntag, 2012-04-29

Wegner im Gespräch

Ulli Wegner

Ulli Wegner gibt immer hundert Prozent (Foto: Photo Wende)

Wenn Marco Huck am 5. Mai auf Ola Afolabi trifft, ist das ein ganz besonderes Duell

Ulli Wegner kommt derzeit kaum zur Ruhe. Am 26. April feierte er seinen 70. Geburtstag. Doch "boxmüde" ist der Erfolgscoach nicht. Schon am 5. Mai wird sein Schützling Marco Huck, der amtierende WBO-Weltmeister im Cruisergewicht, in Erfurt zur Pflichttitelverteidigung gegen den Briten Ola Afolabi in den Ring steigen. Und das ist nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus Sicht des Trainers, ein ganz besonderes Duell...

Herr Wegner, bei Ihnen jagt derzeit ein Highlight das nächste. Sie erhielten 2010 das Verdienstkreuz am Bande, im letzten Jahr die "Goldene Henne" und wurden gerade zum neunten Mal in Folge vom Fachmagazin "BoxSport" als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Im März brachten Sie Ihre Biografie "Ulli Wegner: Mein Leben in 13 Runden" auf den Markt. Am 26. April feierten Sie Ihren Geburtstag. Hat man bei so vielen Höhepunkten überhaupt noch die Möglichkeit, die einzelnen Sachen zu genießen oder sich darüber zu freuen?

Ulli Wegner: Jede einzelne Auszeichnung ist für mich eine Anerkennung, die ich freudig entgegennehme. Ich habe mir diese Dinge verdient. Aber natürlich gibt es inzwischen auch ein paar Leute, die eher mit Neid reagieren. Doch ich muss ganz ehrlich sagen, das Bundesverdienstkreuz zu bekommen, das war für mich eine große Ehre. Ein Buch herauszubringen, das war auch ein lang gehegter Wunsch. Ich wollte das eigentlich später schreiben, wenn die Karriere vorbei ist. Doch dann habe ich es doch anders gemacht. Denn ich will noch lange als Trainer arbeiten, um mit meinen Jungs die jeweiligen Ziele zu erreichen. Zum Glück habe ich auch noch die Kraft, meine Art durchzuziehen. Die Feier zu meinem 70. Geburtstag war eigentlich eher ein Dank an die Menschen, die mich im Laufe der Jahre begleitet und unterstützt haben - da gibt es viele, die vielleicht nicht so im Mittelpunkt stehen und bestimmt trotzdem eine Dankeschön verdient haben. Ich selbst bin ein echter Glückspilz. Und ich vergesse diejenigen nicht, die dazu beigetragen haben. Am liebsten hätte ich noch mehr Menschen eingeladen.

Sportlich ist das aktuelle Jahr auch ein ganz besonderes. Es fing mit dem Comeback von Arthur Abraham an, dann folgte die großartige Leistung von Yoan Pablo Hernandez gegen Steve Cunningham, dann schloss sich Marco Hucks Kampf im Schwergewicht gegen Alexander Povetkin an...

Ulli Wegner: Man hat gesehen, dass Yoan Pablo Hernandez eine Super-Leistung gegen einen Weltklassemann abgeliefert hat, die seinesgleichen sucht. Marco Huck muss man für seinen Einsatz im Schwergewicht loben. Hätte er taktisch ein bisschen besser geboxt, hätte er Povetkin sogar vorzeitig schlagen können - davon bin ich überzeugt. Mit dem Comeback von Arthur, der schon bessere Leistungen gebracht hat, konnte ich nicht zufrieden sein. Natürlich hat er beide Kämpfe - also im Januar in Offenburg und zuletzt am 31. März in Kiel - klar gewonnen. Doch um wieder Weltmeister zu werden, muss er sich steigern. Es gibt viele Fachleute, die meine Meinung teilen. Es kann sein, dass ich mit meiner Sichtweise manchmal anecke. Doch wenn Arthur Abraham mitzieht, wird er auch Erfolg haben.

Am 26. April feierten Sie Ihren 70. Geburtstag. Am 5. Mai folgt die Pflichttitelverteidigung von WBO-Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck. Das ist ein riesiges Pensum. Blieb da genügend Zeit, sich konzentriert genug auf den anstehenden Kampf von Huck gegen Ola Afolabi einzustellen?

Ulli Wegner: Wer mich kennt, der weiß, wie viele Gedanken ich mir um den Kampf mache. Das lässt mir keine Ruhe. Wer mir vorwirft, ich würde mich da schonen, der sollte sich lieber bei mir entschuldigen. Ich habe meine Sachen bewältigt, wie immer im Leben. Ich bin wirklich mit vollem Herzen dabei. Ich strebe immer nach Höchstleistungen und bringe die Kraft auf, meine Jungs richtig zu führen.

Kraft ist ein gutes Stichwort. Am 5. Mai in Erfurt kommt es sicher auf Kleinigkeiten an, denn beide Cruisergewichtler sind gestandene Profis. Das ist nicht nur aus sportlicher Sicht ein Aufeinandertreffen, das riesige Spannung verspricht. Der WM-Fight ist auch so interessant, weil sich mit Ihnen und Fritz Sdunek zwei herausragende Trainer mit ihren Boxern gegenüberstehen...

Ulli Wegner: Bisher steht es bei den Profis 1:1 zwischen mir und Fritz. Im Jahr 2000 war Fritz Sdunek mit Vitali Klitschko gegen einen damals noch recht unbekannten Timo Hoffmann erfolgreich. Im August 2007 gelang dann Arthur Abraham ein K.o.-Sieg in der elften Runde gegen Khoren Gevor. Aber Fritz Sdunek und ich waren vorher auch schon oft bei den Amateuren Rivalen. Doch schon damals hatte ich es oft schwerer als andere Trainer, weil ich meine Jungs mehr an die Spitze heranführen und ihre Qualitäten erst entwickeln musste. Beim Kampf Huck vs. Afolabi sehe ich da auch Vorteile für Fritz. Aber ich habe Vertrauen zu Marco. Wenn ich ihn unter Kontrolle kriege und er sich an seine taktische Linie hält, wird er den WM-Titel verteidigen. Das hat er ja schon einmal im Jahr 2009 - beim ersten Kampf der beiden Kontrahenten - ganz gut gemacht. Doch er darf sich nicht die Schnitzer erlauben, die er gegen Povetkin gezeigt hat.

Und sind Sie selbst besonders motiviert, weil der Gegner von Fritz Sdunek trainiert wird?

Ulli Wegner: Ich denke, viele Trainer haben einen Beitrag dazu geleistet, dass der Boxsport in Deutschland wieder salonfähig wurde. Manfred Wolke machte mit Henry Maske den Anfang, mit den Erfolgen von Sven Ottke und Markus Beyer ging es dann weiter. Ich habe danach einige Jungs, die zunächst noch Anfänger waren, nach oben gebracht. Und das ist für mich auch der Anreiz meiner Tätigkeit. Und da ist jedes Duell mit einem anderen großen Trainer eine besondere Sache. Und Fritz hat natürlich einen großen Namen. Nach Manfred Wolke war und ist er wohl mein größter Rivale. Das ist schon eine Besonderheit.

Eintrittskarten für die Veranstaltung in Erfurt sind über die telefonische Ticket-Hotline 01805-570044 (€ 0,14/min., Mobilfunkpreise max. € 0,42/min.) und im Internet bei www.eventim.de erhältlich.