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Samstag, 2002-10-12

Unter Druck: WBA

Nach dem Weltverband WBC ist nun auch die WBA im Kreuzfeuer der Kritik

Einigen Boxsportfans wird die folgende Meldung etwas seltsam vorkommen: Der Amerikaner William Joppy hat in der Nacht zum Donnerstag in Tokio seinen Weltmeistertitel im Mittelgewicht des Verbandes WBA gegen Naotaka Hozumi aus Japan verteidigt. Zweifelsohne ist Joppy ein großer Boxer, doch der eigentliche Champion der WBA, Bernard Hopkins aus den USA, stand nicht im Ring. Denn vor etwa einem Jahr hat die WBA ihre Weltmeister, die Gürtel mehrerer Verbände trugen (IBF oder WBC), kurzerhand zu Super-Champions erklärt. Angeblich wollte man mit dieser Aktion den Boxern in der Weltrangliste die Möglichkeit bieten, früher um den WM-Gürtel boxen zu dürfen.
Begründet wurde der Schritt damit, dass durch das Tragen des Titels bei mehreren Verbänden, der Champion nacheinander seine Pflichtverteidigungen absolvieren muss und dadurch der offizielle Herausforderer gezwungen wäre, länger als nötig auf seine WM-Chance zu warten. Die Gegner dieses Modells beschuldigen allerdings den renommierten Weltverband, dass diese Praxis für noch mehr Verwirrung im Titelkampfgemenge des Profiboxsports sorgt. Man könne sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Veranstaltung von solch sportlich wertlosen Kämpfen nur dazu da sei, durch die obligatorischen WM-Gebühren kräftig abzukassieren.
Neben dem Weltverband WBC, der zur Zahlung von 31 Millionen US-Dollar Schadensersatz für Graciano Rocchigiani verurteilt wurde, gerät nun auch die WBA immer mehr unter Druck. Auslöser ist dieses Mal nicht die seltsame Anhäufung von Weltmeistern, sondern vielmehr ist der Verband nun auch bezüglich seiner Vergabepraxis der Weltranglisten-Plätze unter schwerem Beschuss:
Bei Positionswechseln im Schwergewicht platzierte die WBA von Don King promotete Boxer wie Fres Oquendo, Larry Donald und Hasim Rahman plötzlich vor Athleten, die gegen diese unlängst gewonnen hatten (David Tua und Kirk Johnson). Oder Boxer wurden trotz einer Niederlage in ihrem letzten Kampf vor Athleten platziert, die ihre letzten Ringgefechte gewonnen hatten.
Athletenkommision behält Veranstaltungsgebühr ein
Um Druck auf die WBA auszuüben, hat die Athletenkommission Kaliforniens vor wenigen Tagen angekündigt, nach Absprache mit der unabhängigen Vereinigung der Boxsport Kommissionen ABC, die Pflichtgebühr für den WBA-WM-Kampf im Fliegengewicht am Samstag zwischen Eric Morel und Denkaosaen Kaowitchit in Anaheim (Kalifornien) einzubehalten. Dabei handelt es sich um eine Summe von etwa 10.000 US-Dollar. Erst wenn die mysteriöse Praxis der Vergabe der Weltranglisten-Plätze aufgeklärt werde, wolle man das Geld ausbezahlen, so Dean Lohuis, der Chef-Inspektor der Kommission.
Unter dem zunehmenden öffentlichen Druck hat die WBA für den 16. Oktober in New York eine außerordentliche, öffentliche Sitzung angekündigt und scheint nun einlenken zu wollen. Zu dem Treffen wurden Vertreter der 15 besten Schwergewichtler der WBA-Weltrangliste eingeladen, um die Platzierungen zu besprechen.
Dazu erklärte Gilberto Mendoza, der Präsident des Weltverbandes in einer Pressemitteilung: "Ich denke, es ist wichtig, dass wir öffentlich unsere Vergabepraxis der Weltranglisten-Plätze erklären, um gleichzeitig mögliche Fehler, die in der Sitzung im vergangenen Monat gemacht wurden, zu korrigieren."
Joppy will "Titelvereinigungskampf" gegen Hopkins...
Der "WBA-Weltmeister" William Joppy ließ sich von dem aufbrandenden Ungemach weit ab in Japan unterdessen nicht stören. Er besiegte seinen Gegner in der zehnten Runde durch technischen K.o. und möchte nun sinnigerweise "einen Titelvereinigungskampf mit Hopkins", dem Super-Weltmeister...
Im kommenden Jahr möchte er um die Weltmeisterschaft im Super-Mittelgewicht boxen, wo es noch keinen Super-Weltmeister gibt. Seine Hausaufgaben hat Joppy hierfür auf jeden Fall gemacht, er benannte alle amtierenden Weltmeister: "Da gibt es den WBA-Champion Byron Mitchell, WBO-Champion Joe Calzaghe und WBC-Champion Eric Lucas, und Ottke ist der IBF-Champion aus Deutschland." Dabei wäre ein Kampf gegen Byron Mitchell das wahrscheinlichste Szenario. Denn eine sehr gute Platzierung in der Weltrangliste der WBA wäre für Joppy derzeit so gut wie sicher - sein Promoter heißt Don King...