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Mittwoch, 2002-01-23

Überhitzt: Tyson - Lewis

Boxfans aus aller Welt müssen nach dem Eklat auf der Pressekonferenz um den "größten Kampf aller Zeiten" bangen

Selten haben Boxfans auf der ganzen Welt einem Kampf so entgegen gefiebert, bevor er überhaupt verkündet worden ist. Doch nun ist das Duell von Mike Tyson gegen Lennox Lewis in weite Ferne gerückt und die Fieberkurve überschritt erst einmal bei den Kontrahenten den zulässigen Grenzwert. Am 6. April sollte eigentlich der "größte Boxkampf aller Zeiten" in Las Vegas über die Bühne gehen, doch nach der Pressekonferenz, die eigentlich zur offiziellen Bekanntgabe des Megaevents dienen sollte, gibt es nur Fragezeichen statt Gewissheit.
Die Veranstaltung zur offiziellen Verkündung des Fights im Hudson Theater in New York verkam zur Farce. Nachdem sie gerade erst mit der Vorstellung Tysons begonnen hatte, sprachen kurz darauf die Fäuste statt der großen Worte. "Iron Mike" blickte in die Richtung, wo sein Gegner erscheinen sollte und als der Weltmeister im Schwergewicht auftauchte, ging der frühere Champion zügig auf Lewis zu. Ein Bodyguard des WBC- und IBF- Titelträgers stellte sich dazwischen, schubste Tyson und berührte ihn daraufhin noch einmal. Dieser antwortete mit einem linken Haken, der den Sicherheitsmann verfehlte, worauf Lewis mit einer Rechten in Richtung Tyson konterte und die Verwirrung komplett machte.
Die beiden Boxer rollten kurz über die Bühne, die plötzlich mit mehreren herbeieilenden, fäusteschwingenden, fallenden oder stolpernden Personen übersät war. Als wieder etwas Ruhe einkehrte, ging Tyson an den Bühnenrand und gestikulierte triumphierend. Danach machte er obszöne Gesten.

Als der Spuk vorüber war, hielt sich der Präsident der WBC, Jose Sulaiman, seinen Kiefer und griff sich an seinen Nacken. "Ich bin ohnmächtig geworden", sagte der 70-Jährige. Ex-Weltmeister Tyson diktierte kurz darauf in einer Stellungnahme zu den Ereignissen den Medienvertretern in die Mikrofone, dass sein Zugehen auf Lewis vorher abgesprochen war. Der Leibwächter von Lewis habe falsch reagiert und dieser einfach zugeschlagen. "Ich bin hierher gekommen, um Werbung für einen Kampf zu machen, nicht um beleidigt zu werden. Mich darf niemand beleidigen und Lennox wird dafür im April bezahlen", sagte Tyson.
Der WBC und IBF-Weltmeister ließ von einem Vertreter später verkünden: "In Anbetracht der Ereignisse des heutigen Tages werde ich noch einmal meine Möglichkeiten überdenken, wenn die verantwortliche Boxsportkommission entschieden hat." Nachdem die Pressekonferenz nach dem Tumult abgesagt worden war, schlenderte Tyson umher, machte Halt, um Autogramme zu geben, und holte Küsse von mehreren Frauen ab.
In Las Vegas unterdessen gab ein Polizeibeamter bekannt, dass einige Indizien im Fall der möglichen Vergewaltigung einer Frau durch Tyson im September 2001 gegen den Ex-Weltmeister sprechen würden. "Wir glauben, dass es sein kann, dass ein Verbrechen verübt wurde", sagte Polizeileutnant Jeff Carlson, der die Untersuchungen in diesem Fall leitete. "Wir sind nicht die Ankläger. Es ist deren Entscheidung, ob sie Anklage erheben oder nicht", so Carlson weiter.
Die Ergebnisse der viermonatigen Untersuchungen wurden am Dienstag an den Bezirksstaatsanwalt weitergereicht. Dessen Sprecherin erklärte, dass die Staatsanwälte Zeit bräuchten, um die Informationen zu überprüfen, bevor eine Entscheidung getroffen werde, ob ein Verfahren wegen sexueller Nötigung gegen Tyson eingeleitet werde. Der 35-Jährige hatte wegen eines ähnlichen Verbrechens zu Beginn der 90er Jahre eine dreijährige Haftstrafe verbüßt.
Erst nach diesen Entscheidungen dürfen die Boxsportfans auf der ganzen Welt dieser großen sportlichen Auseinandersetzung der beiden Giganten des Boxsports entgegen fiebern. Allerdings könnte der Stern Tyson schon vorher endgültig verglühen.