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Donnerstag, 2002-05-02

Tyson gibt Interview

In einem Interview im Trainingscamp auf der Insel Maui zeigte Mike Tyson sich wieder einmal nicht von seiner stärksten Seite

Mike Tyson hat eingeladen und zahlreiche ausgewählte Reporter durften kommen. Auf der hawaiianischen Insel Maui, wo Tyson seit wenigen Wochen sein Training für den am 8. Juni stattfindenden Megakampf gegen Lennox Lewis absolviert, stand er den Journalisten Rede und Antwort.
Dass bei Äußerungen Tysons nicht immer von Friede und Freude die Rede ist, war schon vor dem Interviewtermin bekannt, dass sich dieser jedoch wieder einmal zu einer verbalen Entgleisung hinreißen ließ, war nicht unbedingt zu erwarten. "Mein Hauptziel ist es, professionell zu sein, aber ihn zu töten. Darauf läuft es hinaus. Auch er sollte mich töten wollen, da ich ihn töten möchte. Aber dennoch liebe ich ihn", sagte Tyson, der besser beraten gewesen wäre, seine vermutlich nicht ernst gemeinten Worte zuvor auf die Goldwaage zu legen, denn genau diese Worte haben sich die Medienvertreter aus aller Welt genauestens notiert und formulierten direkt im Anschluss ihre Schlagzeilen daraus.
Doch als ob er dies schon ahnte, machte er für sein schlechtes Image hauptsächlich die Medien verantwortlich, die immer genau das herauspicken würden, was sie benötigen, um für Schlagzeilen zu sorgen: "Ihr erzählt die ganze Zeit, ich wäre Müll oder ein Stück Dreck. Ich bin doch ganz anders. Ich bin ein Vater. Ich war Ehemann. Ich bin für einige ein Bruder. Ich bin viele Dinge. Ich bin ein überführter Krimineller, ich bin ein Schwerverbrecher, ich war Weltmeister im Schwergewicht", sagte Tyson.
"Es gibt viele Dinge, die ich bin, aber immer suchen sich die Leute das Schlimmste heraus und das ist das, was ihr aus mir für die Menschen da draußen gemacht habt", fuhr der 35-Jährige fort.
Tyson, dessen Karriere mehrfach von Schwierigkeiten in und außerhalb des Rings unterbrochen wurde, erklärte siegessicher, dass er nicht daran denke, dass ihn Lewis bezwinge: "Ich sehe keine Möglichkeit zu verlieren. Ich kann es mir noch nicht einmal vorstellen zu verlieren - nicht in meinem Schlaf, niemals."
Nicht nur für ihn sei ein Sieg bei dem Duell wichtig, so Tyson, auch anderen könne dieser Kampf symbolhaft aufzeigen, was ein Mensch erreichen könne. "Lewis kann sich auf einiges in diesem Fight gefasst machen. Den Weltmeistertitel zu gewinnen, würde mir sehr viel bedeuten, aber auch den Menschen, die im Gefängnis sind, die absolut nicht an das System glauben. Ich kümmere mich nicht darum, ob jemand schwarz, weiß, Klan-Mitglied, Arier oder ein Gangmitglied ist, es würde allen zeigen, dass man es schaffen kann und nicht Müll ist", so Tyson.
Die Frage, ob die paradiesische Insel nicht unbedingt der beste Ort für die Vorbereitungen auf den Kampf gegen Lewis sei, beantwortete der frühere Schwergewichtsweltmeister gelassen: "Wie würden Sie sich auf einen Kampf vorbereiten? Ich habe mich mein ganzes Leben unbehaglich gefühlt. Dies hier soll Spaß machen. Der Kampf wird Spaß sein, also warum sollte dies hier keinen Spaß machen dürfen?"
In seiner Freizeit nach dem Training liest er Bücher mit dem Titel "Machiavelli in der Hölle" von Sebastian de Grazia, den er den "wahrscheinlich verfeinertsten Schriftsteller seit Shakespeare" nennt oder "Die ultimative Enzyklopädie der Mythologie." Leidenschaftlich berichtete er von den Schriftstellern Scott E. Fitzgerald und Ernest Hemingway, von denen er glaubt, dass sie "hip" und "cool" waren.
Und als hätte er seinen schweren Fehler vom Beginn des Interviews bemerkt und bedauert, fügte er am Ende noch hinzu: "Ich muss einfach eine gute psychologische Vorbereitung bekommen, hungrig und entschieden sein, aber es ist ja nur ein Kampf."