Wiegen Frankfurt
Hernandez und Cunningham im Limit
Hernandez vs. Cunningham II
Video: Fröhlicher Hernandez trifft erneut auf Ex-Champion Cunningham
Super-Six-Drama

Foto: Photo Wende
Manager Wilfried Sauerland: "Dirrell hat einen Oscar verdient"
Nach der umstrittenen Disqualifikations-Niederlage von King Arthur Abraham mehrt sich die Kritik an Andre Dirrell. Immer mehr Fans und Experten unterstellen dem 26-jährigen Amerikaner oscarreife Schauspielkünste, nachdem er auf dem Boden kniend von King Arthur getroffen wurde. Auch für Wilfried Sauerland ist der Fall klar. „Arthur hätte nicht schlagen dürfen, da Dirrell am Boden war, aber in der Hitze des Gefechts kann so etwas leider passieren“, sagte der Manager nach Betrachten der TV-Bilder. „Man kann Arthur keinen Vorwurf machen. Doch was Andre Dirrell dann geboten hat, war wirklich oscarreif.“
Minutenlang wälzte sich der Amerikaner am Boden und gab vor, schwer getroffen worden zu sein. Während den TV-Interviews im Ring stammelte er vor sich hin und ließ sich danach ohne Abgabe einer Dopingprobe direkt in ein Krankenhaus einliefern. Die ausführlichen Untersuchungen ergaben keinen einzigen Befund. „Wir freuen uns natürlich, dass Andre Dirrell gesund ist und keinen Schaden genommen hat“, so Sauerland. „Eine Überraschung war das jedoch nicht. Wenn jemand schwer k.o. geht, reagiert er vollkommen anders als Dirrell. Das haben mir sowohl erfahrene Journalisten, die unmittelbar in der Nähe saßen, als auch hoch angesehene Mediziner bestätigt. Ein schwer getroffener Boxer fasst sich beispielsweise nicht erst mit beiden Händen an den Kopf. Auch würden die Untersuchungen im Krankenhaus nicht gänzlich ohne Befund sein. Doch beides war bei Dirrell der Fall.“
Scheinbar habe sicher der Lokalmatador dem immer größerer werdenden Druck durch King Arthur entziehen wollen. „Dirrell wirkte auf mich wie ein Marathonläufer, dem nach zu hohem Tempo auf der Zielgerade die Puste ausging“, so Sauerland. „Schon in der zehnten Runde hatte Arthur ihn am Boden. Für mich besteht kein Zweifel, dass er Dirrell noch k.o. geschlagen hätte.“ Statt Abraham zu disqualifizieren, hätte Ringrichter Laurence Cole den Regelverstoß mit Punktabzug ahnden und Dirrell eine fünfminütige Auszeit geben müssen. „Dann hätte Arthur noch gewonnen“, ist sich Sauerland sicher.
Auch Allan Green hat sich über Dirrell gewundert. Der Amerikaner, der Jermain Taylors Platz im Super-Six-Turnier eingenommen hat und am 19. Juni gegen WBA-Weltmeister Andre Ward antreten wird, fand das Verhalten seines Kollegen kurios. „Er lag dort für eine Sekunde, alles war in Ordnung und dann fängt er an zu zittern“, so Green bei boxingscene.com, „dann steht er auf und sagt, er ist ausgeknockt worden, aber er könne sich an nichts erinnern. Wenn man sich an nichts erinnern kann, woher weiß man dann, dass man ausgeknockt worden ist?“
Green ist sich sicher: „Er hat ein bisschen geschauspielert. Ich denke, er hätte weitermachen oder die Auszeit von fünf Minuten nehmen können. Die letzten vier Minuten wären sehr interessant geworden. Wenn man von einem Punch so hart ausgeknockt wird, dass man zu zittern anfängt, bleibt man ein paar Tage in Krankenhaus.“ Auf keinen Fall stünde man jedoch wieder auf und würde danach durch den Ring spazieren.“
Der umstrittene Kampf wird am Dienstag Thema beim regelmäßig stattfinden Super-Six-Promoter-Meeting in New York sein. Für 11.30 Uhr Ortszeit (17.30 deutscher Zeit) ist im Renaissance New York Times Square Hotel (714 Seventh Ave at 48th Street) eine Pressekonferenz mit allen Promotern und Showtime General Manager Ken Hershman geplant. Gegen die Wertung des Kampfes hat das Sauerland-Team bereits mündlich beim WBC Protest eingelegt, der bis Ende der Woche schriftlich ausformuliert wird.
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