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Sonntag, 2002-12-15

Sorge um Holyfield

Vor dem Duell um die IBF-Krone sorgt sich Ex-Champ George Foreman um die Zukunft von Evander Holyfield

Der frühere Weltmeister im Schwergewicht George Foreman sorgt sich um die Zukunft von Evander Holyfield, der beim Kampf gegen Chris Byrd um den vakanten Titel der IBF am Samstag in Atlantic City zum fünften Mal den Weltmeistertitel in der Königsklasse holen möchte. Der 53-jährige Foreman, der seine Karriere nach einer umstrittenen Punktniederlage gegen Shannon Briggs vor fünf Jahren beendete, ist immer noch der älteste Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten. Seinen IBF-Titel verteidigte er zuletzt im Jahre 1995 im Alter von 46 Jahren nach einem kontroversen und viel diskutierten Punktsieg gegen Axel Schulz.
"Ich sorge mich nicht so sehr darum, dass Evander 40 Jahre alt ist, vielmehr darum, dass er zu viele Kämpfe hatte, die über die Distanz gingen", sagte Foreman, der als Co-Kommentor am Ring sitzen wird. "Er ist so ein kleiner Kerl, und er musste so viele Schläge nehmen. Das ist, was ich an der Sache nicht mag."
Ganz im Gegensatz zu Holyfield legte Foreman eine zehn Jahre dauernde Pause ein, ehe er im Alter von 38 Jahren ein Comeback feierte und gegen "handverlesene" Gegner boxte, die er meist in den frühen Runden bezwang. Als er 1991 im Kampf um die WM-Gürtel der IBF, WBA und WBC gegen Holyfield nach Punkten verlor, war er 42 Jahre alt. Dreieinhalb Jahre und fünf Kämpfe später holte er sich dann die WBA- und IBF-WM durch einen K.o.-Sieg über Michael Moorer.
Holyfield boxte in seiner Karriere harte Zwölf-Runden-Kämpfe gegen Gegner wie John Ruiz (dreimal) und jeweils zwei Kämpfe gegen Lennox Lewis, Riddick Bowe und Michael Moorer. Einmal boxte er gegen Larry Holmes und George Foreman. "Auch wenn er die Kämpfe gewonnen hat, die Leute haben ihn erwischt. Siege, Niederlagen oder Unentschieden, man sollte danach Großvater für seine Enkel sein. Ich wünschte mir, er wäre dies", sagte "Big George".
Byrd kein Puncher
Doch Chris Byrd, der Gegner für Holyfield, besitzt nicht die Schlagkraft der früheren Kontrahenten des 40-Jährigen. Der 32-jährige Rechtsausleger und frühere Mittelgewichtler ist eher dafür bekannt, seine Gegner schlecht aussehen zu lassen, indem er sich durch seine Schnelligkeit nicht treffen lässt und nicht sehr kraftvolle, aber überaus schnelle Konter boxt.
"Ich bin stolz auf mich, dass diese Kerle mich nicht erwischen und ich sie ein wenig blöd aussehen lasse, besonders die Schwergewichtler, weil sie viel langsamer sind. Ich habe mir viel von Pernell Whitaker abgeschaut. Mensch, wenn er es als so kleiner Kerl geschafft hat, kann ich es auch als kleiner Schwergewichtler schaffen. Ich denke, die Zuschauer werden bewundern, dass ich als ein kleiner Boxer in der Gewichtsklasse ohne großen Punch gegen Riesen boxe und immer versuche, sie zu überlisten und sie auszumanövrieren. Schätzt mich für diese Tatsache anstelle von großer Punch-Stärke", fordert Byrd von seinem Publikum.
Der Ex-WBO-Weltmeister ist der einzige Boxer, der Vitali Klitschko eine Niederlage beibrachte und der einzige Athlet, der dessen Bruder Wladimir zu einem Kampf über zwölf Runden zwingen konnte. Sein Kampfrekord liegt bei 35 Siegen und zwei Niederlagen. Holyfield musste in seiner Karriere schon fünf Niederlagen bei 38 Siegen und zwei Unentschieden hinnehmen.
Byrd ist 1,85 Meter groß, Holyfield 1,88 Meter. Beim Wiegen brachte dieser 99,8 Kilogramm auf die Waage, Byrd brachte es auf 97,1 kg. "Er hat einige Schlachten geschlagen. Seine Reflexe sind nicht mehr die gleichen", glaubt Byrd, der in den Wettbüros als Favorit für den Kampf gilt, von seinem Gegner.
Aufstieg der "Kleinen" in die Königsklasse
Zum Thema, warum Holyfield, der für das Schwergewicht relativ klein ist, bedenkt man die Größe von Lewis, den Klitschkos und anderen Athleten, nicht in den niedrigeren Gewichtsklassen geblieben ist, gab er zu Protokoll: "Es war eine Entscheidung, die ich wählte. Es gab eine Gewichtsklasse für mich, und diese Gewichtsklasse [das Cruisergewicht; die Red.] dominierte ich. Ich beschloss, aufzusteigen. Ich hätte bei 86,2 Kilogramm bleiben können, aber ich war bereit, das Geld zu verdienen, was man mir angeboten hatte. Und ich war bereit, die Krone zu tragen, ich war bereit, das Risiko einzugehen, das notwendig ist, um gegen die großen Kerle anzutreten."
Byrd, der 1992 bei den Olympischen Spielen die Silbermedaille im Mittelgewicht gewann, absolvierte schon seinen ersten Kampf als Profi knapp oberhalb des Super-Mittelgewicht-Limts (76,2 kg). Im vierten Kampf wog er schon über 90 Kilogramm. "Ich war es satt, Gewicht zu verlieren, die Verträge liefen nicht gut. Ich begann, Gewicht zuzulegen und breiter zu werden. Ich habe mich entschlossen, ins Schwergewicht aufzusteigen. Ich bin vielleicht nicht so groß wie diese Jungs, aber ich habe die Fähigkeiten gegen sie zu bestehen."
Wer von den beiden "kleinen" Schwergewichtlern den IBF-Thron erobern wird, wissen die Bosportfans in Deutschland am Sonntagmorgen. Dem neuen IBF-Weltmeister winkt im kommenden Jahr ein Titelvereinigungskampf gegen den Sieger im Aufeinandertreffen um die WBA-Krone zwischen dem Champion John Ruiz und Halbschwergewichtler Roy Jones. Der ist übrigens noch kleiner und besitzt mit 1,80 Meter die gleiche Größe wie Mike Tyson und dieser war auch schon mehrfach Schwergewichtsweltmeister. Die logische Konsequenz wäre dann für den IBF- und WBA-Weltmeister ein Titelvereinigungskampf gegen den Champion des dritten wichtigen Weltverbandes WBC um die unumstrittene Weltmeisterschaft. Und dieser heißt derzeit Lennox Lewis.