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Donnerstag, 2004-01-29

Sidon wieder im Ring

Schwergewichtler Andreas Sidon vor seinem Kampf am 31. Januar im Interview

Am 24. Oktober hatte der deutsche Schwergewichtler Andreas Sidon einen schweren Verkehrsunfall, bei dem seine Lebensgefährtin Heike ums Leben kam. Auch seine Kinder und er selbst trugen Verletzungen davon. Am kommenden Samstag steigt der 40-Jährige in Berlin gegen den 29-jährigen Gene Pukall erstmals nach dem schweren Schicksalsschlag wieder in den Ring. Dabei geht es um den international unbedeutenden Titel des World Boxing Boards (WBB).
Herr Sidon, was geschah eigentlich am 24. Oktober?
Sidon: "Ich hatte den Tag mit meiner Lebensgefährtin Heike und den drei Kindern in einem Spaßbad verbracht. Auf dem Heimweg kam es dann im Ortsausgang von Königstein im Taunus zu einem Unfall. Aus einer Einmündung von rechts kam ein Auto und bog in meiner Fahrtrichtung nach rechts ab. Da ich stark hätte bremsen müssen, wollte ich links an dem Auto vorbei ziehen. Doch plötzlich bemerkte ich in der Mitte der Fahrbahn eine Art Verkehrsinsel mit Pollern, so dass ich ausweichen musste und ins Schleudern kam. Ich habe noch versucht, den Wagen wieder in den Griff zu bekommen und gegen zu lenken. Doch wir rutschten in den Graben, überschlugen uns und landeten an einem Baum. Heike war sofort tot."
Es war zu lesen, dass Ihr Ohr abgerissen war. Ist damit wieder alles in Ordnung?
Sidon: "Das mit dem Ohr habe ich im ersten Moment gar nicht richtig bemerkt. Meine Kinder waren ja auch verletzt. Erst als ich später in den Spiegel schaute, fiel mir das auf. Es war ein Ohrmuschelteilabriss. Nachts wurde aber noch alles genäht. Jetzt habe ich keine Probleme mehr. Ich kann ganz normal wieder hören."
Auch die Kinder waren verletzt. Wie geht es ihnen?
Sidon: "Saskia hatte eine Lungenprellung und einen gebrochenen Arm. Sie hat zwar noch einen Draht in ihrem Arm, aber der soll nach meinem Kampf rauskommen. Mandana erlitt einen Schädelbruch. Sie hat natürlich Narben, die ihre Zeit brauchen. Aber sie reagiert wieder auf alles. Ihr fehlt natürlich ihre Mutter. Der kleine Albano hatte zwar ein Schleudertrauma, die schlimmere Sache war aber, dass er alles mitbekommen hat, weil er nach dem Unfall als erster von uns zu sich gekommen ist."
Wie kommen Sie und Ihre Kinder mit dem Verlust klar?
Sidon: "Wir sind oft sehr traurig. Die größte Trauer trägt natürlich Mandana, meine beiden anderen Kinder sind von einer anderen Frau. Ich denke, wir müssen alle mit der Situation klar kommen. Wir müssen kämpfen. Ich versuche dabei ein gutes Vorbild zu sein."
Am 31. Januar soll jetzt wieder Boxen im Vordergrund stehen. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, sich auf diesen Kampf zu konzentrieren?
Sidon: "Ich habe erst einmal vier Wochen getrauert. In dieser Zeit nahm ich extrem ab. Danach habe ich es geschafft, für mich und meine Kinder eine Eltern-Kind-Kur zu bekommen. In der Klinik Sonnenalm in Steibis/Oberstaufen haben wir uns dann richtig gut erholt, weil man sich dort blendend um uns gekümmert hat. Es folgte ein Trainingslager. So konnte ich mich konzentriert vorbereiten. Irgendwie hat mich das sogar ein bisschen abgelenkt und mir gut getan. Ich habe von allen Seiten sehr viel Hilfe bekommen. Durch Spendengelder hatte ich auch keinen so großen Gelddruck und konnte den Kindern zu Weihnachten vernünftige Geschenke kaufen. In meiner größten Niedergeschlagenheit habe ich tatsächlich die größte Menschlichkeit erfahren."
Haben Sie überhaupt noch die Möglichkeit, sich als alleinerziehender Vater auf einen Boxkampf über 12 Runden vorzubereiten?
Sidon: "Ich trainiere sehr viel zu Hause. Zwei der Kinder besuchen sowieso eine Ganztagsschule, Mandana kommt jetzt in den Kindergarten. Das heißt, ab 9.00 Uhr morgens kann ich mit dem Training beginnen. Außerdem hat mir der Zuspruch der Leute Mut gemacht, dem Boxsport treu zu bleiben."
Gene Pukall hat in Berlin eine recht große Fangemeinde. Denken Sie, dass die Aufgabe deshalb besonders schwer werden könnte?
Sidon: "Ich nehme grundsätzlich jeden Gegner sehr ernst. Ich finde es sehr mutig von Gene Pukall, gegen mich in den Ring zu steigen. Schließlich hat er noch nie einen Profikampf über 12 Runden bestritten und erst einen Kampf auf dem Konto, der über 8 Runden ging. Für diesen Mut allein hat er schon Beifall verdient. Außerdem kann er bei so einer Aufgabe über sich selbst hinaus wachsen."
Falls Sie am 31. Januar gewinnen, wem widmen Sie dann diesen Sieg?
Sidon: "Ich widme den Kampf meiner verstorbenen Lebensgefährtin Heike und allen, die mich unterstützt und gestärkt haben. Denn ohne diese Hilfe und diesen Glauben an mich und meine Leistungsfähigkeit, würde die Situation heute viel schlechter aussehen."