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Montag, 2006-07-24

Sauerland-Interview

Der Manager über die Comebacks von Maske und Schulz

Manager Wilfried Sauerland hat in einem ausführlichen Interview in der Welt am Sonntag Stellung bezogen zu den Comebacks seiner ehemaligen Schützlinge Axel Schulz und Henry Maske.

Manager Wilfried Sauerland
"Es ist die Fortsetzung des klamauken Profiboxens" titelte Welt-Redakteur Gunnar Meinhardt, der das Interview mit Wilfried Sauerland geführt hat.
Das Interview der Welt am Sonntag:
Nach Axel Schulz, 37, liebäugelt offenbar auch Ex-Weltmeister Henry Maske, 42, mit der Rückkehr in den Boxring. Beide wurden von Wilfried Sauerland, 66, gemanagt und promotet. Der in Südafrika lebende Geschäftmann hat kein Verständnis für das Vorhaben seiner einstigen Topathleten.
Welt am Sonntag: Herr Sauerland, braucht Deutschland die Comebacks von Schulz und Maske?
Wilfried Sauerland: Ganz sicher nicht. Bei den Profis sind wir bestens aufgestellt. Die Aufmerksamkeit, die solche Kämpfe erzeugen, sehen wir nicht gern.
Das Volk wünscht sich aber Helden.
Sauerland: Aber sicher nicht solche. Henry und Axel hatten ihre Zeit als Boxer. Wer solange aus dem Spitzensportbereich raus ist wie die beiden, kann nie und nimmer wieder an sein altes Leistungsvermögen anknüpfen. Zudem ist Boxen sehr gefährlich. Axel kämpfte das letzte Mal 1999. Davor hatte er wegen einer Bandscheibenoperation über ein Jahr nicht geboxt und wollte eigentlich schon aufhören. Henrys letzter Kampf liegt zehn Jahre zurück. Das alles ist absurd.

Henry Maske und Trainer Manfred Wolke
Profiboxen ist aber ein Geschäft. Mit den Kämpfen läßt sich gut Geld verdienen, da sie hohe Einschaltquoten und volle Hallen versprechen.
Sauerland: Geschäftlich gesehen verhalte ich mich absolut unrichtig. Aber ich lasse mich auch nicht des Geldes wegen zu etwas verführen, wo mein Herz nicht dahintersteht.
Sie sind also kein guter Geschäftsmann? Gleiches gilt für Ihren Promotorrivalen Klaus-Peter Kohl vom Universum Boxstall, den die Comebacks auch nicht interessieren.
Sauerland: Das stört mich überhaupt nicht, wenn das jemand sagt. Diese Geschichten haben mit dem Sport, den ich veranstalte, nichts gemeinsam. Ich sehe diese Kämpfe als Fortsetzung des klamauken Promiboxens, bloß daß die Boxer diesmal die Promis sind. Axel rief mich vorige Woche an und lud mich zu seinem Kampf am 25. November ein. Doch da bin ich in Südafrika.
Worüber haben Sie noch gesprochen?
Sauerland: Ich habe ihm gesagt, wenn du zu mir gekommen wärst und mir gesagt hättest, du hast finanzielle Sorgen, hätten wir gemeinsam überlegen können, um etwas auf die Beine zu stellen. Aber daß du dich jetzt hinstellst und sagst, du boxt, weil du Boxen so gern hast, das kann ich dir nicht abnehmen. Wenn Axel selbst nicht begreift, daß es gefährlich ist, was er macht, dann müßte sein näheres Umfeld ein ehrlicheres Wort mit ihm reden. Ich kenne Golfspieler, denen der Arzt bescheinigte, 100prozentig gesund zu sein. Beim Abschlag am ersten Loch haben sie aber einen Herzschlag bekommen.
Bei Maske soll es nur um eine Revanche gegen Virgil Hill gehen. Der Amerikaner, der noch immer Weltmeister ist, hatte ihm seine einzige Niederlage zugefügt. Wenn Maske Sie bitten würde, das Rematch gemeinsam zu veranstalten, würden Sie dann nicht weich werden?
Sauerland: Vor fünf Jahren vielleicht. Nein, ich rate ihm ab. Außer Geld kann er nichts gewinnen.
Aber darum geht es doch im Profiboxen. Schulz soll für drei Kämpfe fünf Millionen Euro bekommen.
Sauerland: Henry hat das nicht nötig. Als einer der ganz wenigen Sportstars hat er den Übergang ins zweite Leben brillant gemeistert. Er managt vier gut laufende McDonalds-Läden, muß sich um mehr als 100 Mitarbeiter kümmern. Mit einer Rückkehr in den Ring würde er nur an Image verlieren.
Maske und Schulz könnten in eine Marktlücke stoßen. Die Weltmeister hierzulande werden immer weniger. Vorige Woche wurde Felix Sturm entthront. Auf Ihre beiden Weltmeister Arthur Abraham und Markus Beyer warten schwere Titelverteidigungen. Am Jahresende könnte Deutschland ohne Champion dastehen.

Axel Schulz
Sauerland: Das wäre nicht das erste Mal. Wichtig ist doch, daß die Leute guten Sport, gute Kämpfe sehen. Und es kommen talentierte Leute nach. Um die Zukunft müssen wir uns keine Sorgen machen.
Die Europameisterschaften der Amateure in Plowdiw/Bulgarien zeichnen aber ein anderes Bild. Von sechs deutschen Boxern gewann nur Alexander Powernow Bronze.
Sauerland: Das Amateurboxen wird falsch gemanagt. Deshalb gehen wir jetzt eigene Wege. Indem wir selbst junge Boxer übers Sportinternat großziehen, wie in Frankfurt/Oder. Oder wir unterstützen in Berlin-Hellersdorf ein Freizeitprojekt, bei dem sich jeden Nachmittag etwa 150 Jungen zum Boxtraining treffen. Gleiches planen wir auch für eine andere Stadt. Wir hoffen, daß jedes Jahr wenigstens ein Junge den Sprung in unser Camp schafft.