Deutsch English
29.03.2017
Top-Thema

Zeuge siegt!

Trotz Kampfabbruch: Zeuge weiterhin WBA-Weltmeister

Ergebnisse Potsdam

Alle Resultate vom 25. März aus der MBS Arena im Überblick

Top-Video
Video ansehen

 

 

NEWS
Sonntag, 2006-12-31

Rückblick 2006 - Teil 2

Auch Marco Huck und Henry Maske haben dieses Jahr für Aufsehen gesorgt. Kolumnist Eik Galley berichtet im zweiten Teil seines Jahresrückblicks über das Comeback des Gentleman und den Aufstieg des KO-Königs.
Henry Maske – das verratene Geheimnis
Es war genau wie früher. Eine Traube von Journalisten wartet vor dem Lokschuppen in Frankfurt (Oder). Hier wurde eine der erfolgreichsten Epochen des deutschen Profiboxens begründet – im Camp von Manfred Wolke. Und zumindest einen großen Kampf wird es geben.
Und dann bog er tatsächlich um die Ecke. Am 19. Dezember um 9:35 Uhr. Henry Maske. 42 Jahre alt. Die Tannen vor dem Eingang hatten zehn Jahre Zeit. "Oh, zugewachsen", war der erste Kommentar von Deutschlands populärstem Boxer.

Die Wiedervereinigung – Henry Maske und Manfred Wolke.
Eigentlich sollte sein erstes Training in Frankfurt (Oder) ein Geheimnis bleiben. Wolke und Maske wollten sich in Ruhe wieder aneinander gewöhnen. Aber die Nachricht war nicht lange zu bewahren. RTL hat sie zuerst veröffentlicht: Deutschlands Erfolgsduo wieder zusammen. Nun wurde es ein Medientermin.
Geduldig beantworteten Trainer und Boxer vor der Tür des Wolke-Camps alle Fragen. Als sie zum Training verschwanden, wurden sofort die ersten Nachrichten durchgegeben: "Maske – erstaunlich gut drauf. Habe vollen Notizblock." "Wolke ganz offen, vielleicht gibt es nachher sogar noch ein Foto beim Training."
Beim Fotoshooting präsentierte Henry Maske seinen Waschbrettbauch. Ein Zeichen voller Symbolik. Denn kurz zuvor hatte Maskes ehemaliger Stallkollege Axel Schulz nicht nur sich sondern auch seinen Sport blamiert. Maske hat seine Lehren gezogen: "Dieser Kampf machte mir noch deutlicher, wie ernsthaft ich meine Rückkehr zu betrachten habe."

Top-fit: der Gentleman.

Das Training beginnt mit einem Laktattest. Seither arbeitet Maske den gemeinsam erarbeiteten Trainingsplan ab. Alle Kommentatoren sind sich einig: Eine Blamage wie sie Axel Schulz widerfuhr, ist für Henry Maske nicht möglich. Er ist ein besserer Boxer, er wird besser trainiert sein, er ist bewusster, er hat das bessere Umfeld.
Am 31. März muss Henry Maske gegen Virgil Hill beweisen, ob diese Sicherheiten zu Recht ausgesprochen wurden. Auf alle Fälle ein Pflichttermin – auch für den nächsten Jahresrückblick.
Marco Huck – Sprung auf Platz 4
Marco Huck sitzt im Studio von TV Berlin. Moderator Sven Thomsen hat ihn und Ulli Wegner eingeladen. Huck ist die Hoffnung des Sauerland-Boxstalls. Und er redet nicht lange herum: "Ich will Weltmeister werden." 16 Siege hat der 22jährige bis dato schon eingefahren. Und die Gegner werden immer schwerer.
Am 16. Dezember wartet in Kempten Pietro Aurino. Es ist Hucks erster Titelkampf. Aurino war 1995 Militär-Weltmeister bei den Amateuren. Im Finale besiegte er Thomas Ullrich. Ein Jahr später wurde er Europameister. Als Profi trägt er nun den Namen "The Killer". Für Marco Huck ist der Kampf um den EU-Titel im Cruisergewicht Richtung weisend. Sieg Nr. 17 wäre der wichtigste der Karriere.
Und dann das: Aurino verlässt – von Huck in arge Bedrängnis gebracht - in der 2. Runde den Ring. Der Killer wird zum Bunny. Hinterher meckert er über die unfairen Kampfrichter, schimpft auf Deutschland. Aber die Regeln im Ring hat mit zwei gezielten Kopfstössen er verletzt. Dass Marco Huck anschließend das Knie hochzog, ist durch seine Kickboxvergangenheit zu erklären, darf ihm allerdings nicht passieren.

Harte Einschläge bei Pietro Aurino.
Marco Huck hat gewonnen, er ist jetzt EU-Meister. Ein Titel, dem nach diesem Kampf der Glanz fehlt, der aber wichtig ist für seine Erfahrung. Es ist eben alles möglich im Ring. Dieses Wissen kann ihm nur helfen auf dem Weg zum Weltmeistertitel. Im WBA-Ranking rückte er nach Aurino schon auf Platz 4 vor.


DER AUTOR:

Kolumnist Eik Galley
Der am 27.07.1967 in Zossen (Brandenburg) geborene Eik Galley studierte Journalistik an der Uni Leipzig. Von 1991 bis 1992 arbeitete er als Redakteur bei der "Fußballwoche". 1993 war Eik Galley einer der Journalisten der ersten Stunde beim Deutschen Sportfernsehen (DSF). Als Reporter und Kommentator berichtete er u.a. von den Amateur-Weltmeisterschaften 1995 in Berlin und 1997 in Budapest, von den ersten Kämpfen der Klitschko-Brüder und über WM-Kämpfe von Mike Tyson, Lennox Lewis und Oskar de la Hoya. Eik Galley ist heute Leiter der Berliner DSF-Redaktion. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.