Deutsch English
04.12.2016
Top-Thema

Ergebnisse Karlsruhe

Alle Resultate vom 3. Dezember aus der Ufgauhalle im Überblick

Wiegen in Karlsruhe

Hauptkämpfer gehen vor Titelkämpfen am Samstag über die Waage!

Top-Video
Video ansehen

 

 

NEWS
Samstag, 2002-11-02

Rocky will WM-Titel!

Graciano Rocchigiani will nach seinem gewonnenen Prozess gegen das WBC nun auch seinen WM-Titel zurück - Roy Jones bereit zu einem Kampf

Nach seinem Sieg vor einem New Yorker Distriktgericht über den Weltverband WBC, der zur Zahlung einer Summe von über 30 Millionen US-Dollar verurteilt worden war, möchte der frühere Weltmeister im Halbschwergewicht Graciano Rocchigiani nun auch seinen WM-Gürtel zurück. Nach einem amerikanischen Medienbericht soll der 38-Jährige den Richter im Prozess gegen das WBC, Richard Owen, über seine Anwälte gebeten haben, zu erklären, dass er immer noch der WBC-Weltmeister im Halbschwergewicht sei.
Aus dem Lager des amtierenden Champions des WBC und Box-Superstars Roy Jones war unterdessen zu hören, dass dieser bereit sei, wenn notwendig, seinen Titel gegen Rocchigiani zu verteidigen. Der Verband hatte 1998 den WM-Titel des Berliners rechtswidrig in einen Interimstitel umgewandelt und den früheren Weltmeister Roy Jones zum Champion erklärt. Mit dem möglichen Kampf könnte "Rocky" gelingen, was der Weltmeister des Verbandes WBO, Dariusz Michalczewski, seit Jahren anstrebt.
Am 11. Oktober schrieb Richard Dolan, der Anwalt des 38-Jährigen an Richter Owen: Rocchigiani "sucht eine Möglichkeit, um den Ring als Weltmeister, der er wahrhaft ist, zu betreten und so in der Lage zu sein, seine hart erkämpfte Weltmeisterschaft zu verteidigen." Dolan argumentierte weiter, dass wenn sein Mandant den Titel nicht zurückbekäme, wäre das WBC mit seiner betrügerischen Aberkennung der Weltmeisterschaft vor der Öffentlichkeit erfolgreich geblieben.
Der Verband ersucht nun im Gegenzug das Gericht, den Antrag von Rocchigiani abzulehnen. Auch Fred Levin, ein Anwalt des amtierenden WBC-Weltmeisters, versuchte die Ansicht seines Mandanten zu erläutern, der allerdings von dem Schriftwechsel und den neuerlichen Anträgen bislang nichts gewusst haben soll. Man dürfe nicht die Athleten bestrafen, sondern die Funktionäre müssten zur Verantwortung gezogen werden.
Jones will Titel behalten - Anwalt bietet Kampf gegen "Rocky"
"Die Position meines Mandanten Roy Jones Jr. ist, dass ohne in Betracht zu ziehen, was das WBC tun muss, Mr. Jones seinen Titel nicht zurückgeben wird. Daher scheint es, dass das einzige was möglicherweise passieren könnte ist, dass das WBC Rocchigiani für eine bestimmte Zeit zum Halbschwergewichts-Weltmeister ernennt. Es könnte also sein, dass wir zwei WBC-Weltmeister im Halbschwergewicht haben werden und hoffentlich können sie im Ring entscheiden, wer der wahre Champion ist", schrieb Levin dem Gericht.
Auch der Promoter von Jones, Murad Muhammad, ist der Meinung, dass man neben der Verurteilung des WBC zur Zahlung des Verdienstausfalles und Schmerzensgeldes für Rocchigiani ihm nicht auch noch den Titel geben dürfte, zumal er diesen nicht verdient habe. Er solle entweder das Geld bekommen oder um den Titel kämpfen. Mit seinem Athleten habe er über den Vorgang noch nicht gesprochen, da dieser derzeit noch mitten in den Verhandlungen über einen Kampf gegen John Ruiz um den WM-Titel im Schwergewicht sei.
"Unrecht vollständig berichtigen"
Der Anwalt des deutschen Boxers Dolan ist da ganz anderer Ansicht: "Es ist notwendig, das Unrecht, dass Rocchigiani vom WBC angetan wurde, vollständig zu berichtigen und ihm letztendlich das Recht zu geben, seinen Titel zu verteidigen." Auch wies der Jurist daraufhin, dass bislang Jones und seine Anwälte an dem Verfahren nicht teilgenommen hätten, obwohl es wünschenswert gewesen wäre. Ursprünglich war Jones bei dem Verfahren als Zeuge vor Gericht geladen. Dieser machte jedoch von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Jones könne jetzt nicht einfach wieder beanspruchen, was er zuvor ignorierte, so Dolan.
Sollte das Gericht Rocchigiani den WM-Titel zusprechen, könnte dieser bald wieder als Weltmeister im Ring stehen. Der Rest seiner einjährigen Haftstrafe, die er derzeit in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel absitzt, wird aller Voraussicht nach ab November zur Bewährung ausgesetzt und "Rocky" wird vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Der Profiboxer war im vergangenen Jahr wegen Verletzung von Bewährungsauflagen durch Fahren ohne Führerschein und Körperverletzung zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Laut Anwalt Dolan war dies eine der Folgen der Aberkennung des WM-Titels 1998.
Jones zuerst gegen Ruiz
Auf den Kampf gegen den Weltmeister der Verbände IBF, WBA und WBC Roy Jones müsste der Berliner allerdings noch etwas warten. Dieser soll aller Voraussicht nach am 1. März in Las Vegas gegen den WBA-Weltmeister John Ruiz boxen. Im Jahre 1998 wollte Jones übrigens schon einmal einen Ausflug ins Schwergewicht wagen. Damals wollte er gegen den ersten Bezwinger von Mike Tyson und früheren Weltmeister James Buster Douglas in den Ring steigen. Im letzten Moment sagte Jones den Kampf ab. Pikanterweise legte der Halbschwergewichtler für diesen Kampf zuvor seinen WBC-Titel nieder, den im März 1998 dann in Berlin Rocchigiani gegen den Amerikaner Michael Nunn gewann. Nach Jones Rückzug in seine angestammte Gewichtsklasse drohte er dem WBC mit einer Klage, falls der Verband ihm nicht den Titel zurückgegeben hätte.
Daraufhin nahm das WBC Rocchigiani den WM-Gürtel ab und erklärte ihn kurzerhand zum Interims-Weltmeister. Dieser klagte seinerseits. Nach einem mehrjährigen Prozess verurteilte im September das New Yorker Distriktgericht unter Leitung des Richters Richard Owen den Weltverband WBC zur Zahlung von etwa 31 Millionen US-Dollar für entgangene Einnahmen und Schmerzensgeld an Rocchigiani. Allerdings ging der Verband in die Berufung und gab darüber hinaus bekannt, nur über eine Summe von derzeit 264.000 US-Dollar zu verfügen. Eine Entscheidung darüber wird das Gericht in den kommenden Monaten treffen. Solange ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.
Wenn die Berufung abgewiesen werden sollte, muss sich der Verband alle Ausgaben über 5.000 US-Dollar von Rocchigiani genehmigen lassen. Außerdem könnte "Rocky" dann alle Sanktionierungsgebühren für WBC-WM-Kämpfe in den USA pfänden lassen. Damit wäre er praktisch der eigentliche Präsident des Weltverbandes. Rechtsexperten rechnen allerdings mit einem Vergleich der beiden Streitpartner durch die Zahlung einer Summe im zweistelligen Millionenbereich. Wie das angeblich kurz vor der Pleite stehende WBC diesen Betrag aufbringen will, ist allerdings noch unklar. Am Ende könnte nach einer Insolvenz des Weltverbandes trotz Sieges vor Gericht "Rocky" wieder einmal mit leeren Händen dastehen und endgültig zur dramatischen Figur des Profiboxsports werden.