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Mittwoch, 2001-12-19

Rocky vor dem Aus

Dem Ex-Weltmeister droht eine lange Haftstrafe

Wars das für "Rocky"? Ex-Weltmeister Graciano Rocchigiani hat sich durch seinen neuerlichen Ausraster wohl seine letzte Chance auf ein Ring-Comeback verbaut. Stattdessen muss der Ex-Champ nun mit einer längeren Haftstrafe rechnen.
"Rocky" hatte am Sonntagabend zunächst in einer Kneipe im Berliner Stadtteil Buckow randaliert. Der ehemalige IBF- und WBC-Weltmeister warf mit Kerzenständern sowie Aschenbechern und belästigte andere Gäste mit obszönen Gesten. Die herbeigerufene Polizei bekam die Situation in den Griff und konnte den stark alkoholisierten Rocchigiani zunächst beruhigen.
Später schlief "Rocky" seinen Rausch in einem in Berlin-Steglitz abgestellten Auto aus. Die Besitzerin des Wagens fand den 37-Jährigen regungslos auf und alarmierte die Polizei. Die Weckversuche der Beamten quittierte Rocchigiani mit wüsten Schimpftiraden. Danach kam es zu einer Schlägerei, in dessen Verlauf er einen Polizisten an der Nase verletzte und dessen Brille kaputt schlug. Der Verdacht auf Nasenbeinbruch bestätigte sich allerdings nicht. Neun Polizisten schafften es schließlich, den Boxer festzunehmen und zur Gefangenen-Sammelstelle zu transportieren, wo ihm eine Blutprobe entnommen wurde. Danach durfte "Rocky" die Wache zunächst verlassen. Lange wird er sich an seiner Freiheit aber nicht erfreuen können: Die Polizei erstattete Anzeige wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Beleidigung von Beamten.
Der umstrittene Faustkämpfer sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen außerhalb des Ringes. 1997 fuhr er bei einer Verkehrkontrolle einen Polizisten an und beleidigte diesen, was ihm eine Strafe von acht Monaten auf Bewährung einbrockte. Ein Jahr später handelte er sich die nächsten vier Monate auf Bewährung ein, weil er ohne Führerschein und mit erhöhter Geschwindigkeit kontrolliert wurde. Es folgte ein Angriff auf einen Hausmeister im Wiener Prater und weitere vier Monate Bewährung.
Im November 2000 schließlich setzte der Berliner seinen Mercedes in der Nähe von Timmendorfer Strand unter starkem Alkoholeinfluss in einen Graben, wofür ihm vom Amtsgericht Eutin (Schleswig-Holstein) eine Geldstrafe von 25.000 Mark auferlegt wurde. Das Amtsgericht Tiergarten entschied inzwischen, dass diese Tat in der Zeit zweier Bewährungen begangen wurde und verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Der Haftantritt wurde verschoben, da der Anwalt des Boxers Berufung einlegte.
Ungeachtet seiner oben angeführten Skandale, zu denen noch unzählige Verbalausrutscher und diverse Kneipenschlägereien kommen dürften, galt der Faustkämpfer Rocchigiani lange Zeit als sehr talentiert und ist mit einer hervorragenden Boxintuition ausgestattet.
Seinen ersten großen Triumph feierte "Rocky" (41-5-1) am 11. März 1988, als er sich in Düsseldorf gegen Vincent Boulware (USA) den IBF-Titel im Super-Mittelgewicht holte. Diesen konnte er drei weitere Male verteidigen, ein Kampf um die WBO-Krone gegen Chris Eubank ging aber verloren.
1995 stieg Rocchigiani ins Halbschwergewicht auf, um gegen den IBF-Champion Henry Maske zu boxen. Die beiden Kämpfe in Berlin und München gingen in die deutsche Boxgeschichte ein und wurden von "Gentleman" Maske nach Punkten gewonnen. Ein erneuter Angriff auf den Titel, diesmal nach Version der WBO, scheiterte 1996 gegen Dariusz Michalczewski (Hamburg) unter dubiosen Umständen: Der bis dato in front liegende Berliner wurde in der siebten Runde wegen Nachschlagens disqualifiziert, die Revanche im April 2000 gewann Michalczewski dann allerdings klar (T.K.o. in Runde neun).
Zwischenzeitlich gewann "Grace" im März 1998 gegen Michael Nunn den WBC-Gürtel, ebenfalls im Halbschwergewicht. Später behauptete der WBC jedoch, Rocchigiani sei nur Interims-Champion gewesen und sprach den Titel Roy Jones Jr. zu. "Rocky" verklagte den Verband daraufhin auf Schadensersatz und hat Anfang dieses Jahres von einem New Yorker Gericht Recht bekommen. Im Raum steht eine Summe von bis zu zehn Millionen Mark.
Seinen letzten Boxkampf gewann Rocchigiani am 1. Februar 2001 in Berlin gegen den Kanadier Willard Lewis umstritten nach Punkten. Ursprünglich war danach ein erneuter WM-Kampf gegen Ende dieses Jahres vorgesehen, der aber nie zu Stande kam und nun in wohl unerreichbare Ferne gerückt ist