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Donnerstag, 2002-09-26

Rocky gegen Jones?

Wie geht es weiter mit Graciano Rocchigiani?

Nach Aussage von Richard Dolan, einer der amerikanischen Anwälte von Graciano Rocchigiani, würde sein Mandant gegen Box-Superstar Roy Jones Junior in den Ring steigen. Dolan vertrat zusammen mit Staranwalt Peter Schlam den 38-jährigen, früheren Weltmeister vor einem New Yorker Distrikt-Gericht in der erfolgreichen Schadensersatzklage gegen den Weltverband WBC, der Rocchigiani 1998 zu Unrecht seinen zuvor gewonnen WM-Titel aberkannt hatte.
Angebot an Roy Jones
Dolan erklärte, dass sein Klient nach seinem Sieg vor Gericht auf einen Kampf um die unumstrittene Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht gegen den Champion Roy Jones Junior aus den USA hoffe: "Wenn Roy [den Titel; die Red.] auf ehrliche Art und Weise haben möchte, gibt es einen Weg, dies zu erreichen. Und zwar ohne einen Trick von Jose Sulaiman [Präsident des WBC; die Red.] und seiner Bande", sagte Dolan gegenüber einer amerikanischen Nachrichtenagentur.
Jones hatte den Titel 1998 niedergelegt, weil er einen Kampf im Schwergewicht bestreiten wollte. Nachdem jedoch Rocky sich den vakanten Titel gegen den Amerikaner Michal Nunn geholt hatte, wollte er seinen WM-Gürtel wieder und drohte dem WBC mit einer Klage. Der Verband gab Jones den Titel zurück und erklärte den Berliner Athleten zum Interims-Weltmeister.
Fortsetzung der Karriere ungewiss
Rocchigianis Berliner Anwalt Björn Ziegler hat unterdessen erklärt, dass der Boxer noch nicht entschieden habe, ob er seine sportliche Karriere fortsetzen werde.
Ob ein Kampf gegen den Halbschwergewichts-Weltmeister der IBF, WBA und des WBC Roy Jones zustande kommen könnte, ist in mehrerlei Hinsicht unrealistisch: Denn dieser möchte im Dezember zu einem viel lukrativeren Kampf gegen den Weltmeister der WBA im Schwergewicht John Ruiz antreten. Zu bezweifeln ist auch, ob die Fitness und die Fähigkeiten von Rocchigiani, der am Ende des Jahres 39 Jahre alt wird, für einen hochklassigen Boxkampf ausreichen werden.
Außerdem bestritt der Berliner seit seinem WM-Sieg gegen Michael Nunn aus den USA 1998 nur noch zwei Kämpfe: Im April 2000 verlor er gegen den WBO-Champ Dariusz Michalczewski nach zehn Runden durch technischen K.o. Im Februar 2001 erreichte er einen mühevollen Punktsieg über den international wenig bekannten Kanadier Willard Lewis über acht Runden.
"Die Boxwelt hat sich verändert"
Das Urteil in dem Prozess, wobei das World Boxing Council zur Zahlung von etwa 31 Millionen US-Dollar an den Ex-Champ verpflichtet wurde, hält Dolan allerdings für einen Meilenstein für den Boxsport: "Die Boxwelt hat sich verändert. Herr Rocchigiani ist der erste Boxer, der jemals dem autokratischen Verhalten des WBC den Kampf angesagt hat. Es ist absolut klar, dass das World Boxing Council niemals wieder in der selben Art und Weise arbeiten kann."
Auch Rocchigiani selbst hält das Urteil für einen Denkzettel für den Weltverband: "Ich glaube, das ist für den kompletten Berufsboxsport eine gute Sache gewesen. Es wurde endlich mal gezeigt, dass man mit den Boxern nicht alles machen kann", betonte der Ex-Champ nach der Urteilsverkündung. Mittlerweile ist Rocchigiani wieder in die Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel zurückgekehrt, wo er bis zum 29. Januar eine einjährige Haftstrafe verbüßt. Für die Verhandlung in New York erhielt er Hafturlaub mit der Auflage, unmittelbar nach der Urteilsverkündung zurückzukommen.
Droht Konkurs des WBC?
Nicht klar ist, ob überhaupt und wann Graciano Rocchigiani nach dem Sensationsurteil in New York den Millionenbetrag vom Weltverband WBC erhalten wird. Denn dieser geht erst einmal in Berufung. Rocky-Anwalt Peter Schlamm schätzt dennoch, dass die Vollstreckung des Urteils nicht mehr all zu lange auf sich warten lassen wird: "Der Einspruch gegen das Urteil geht an den US Court of Appeals, das Berufungsgericht. Das entscheidet dann innerhalb von sechs bis neun Monaten, ob der Einspruch zulässig ist, also ob während der Verhandlung Fehler gemacht wurden. Wenn dem so sein sollte, landet der Fall wieder bei uns in New York. Vor demselben Gericht wird er dann neu verhandelt."
Schwieriger dürfte es sein, das Geld dann tatsächlich einzutreiben. Denn das WBC hat verkündet, derzeit nur ein Vermögen von 268.000 US-Dollar zu besitzen. Mit dem Urteil drohe der Konkurs für den Verband, der sich ab sofort Ausgaben von einem Richter genehmigen lassen muss. "Klar ist, dass jede Ausgabe des WBC über 5.000 Dollar von jetzt an von einem Richter freigegeben werden muss. Wie die finanziellen Verhältnisse des WBC genau aussehen, muss jetzt ermittelt werden", erklärte Schlam.
Insider vermuten, dass der Weltverband vor dem Urteil schon sein Geld beiseite geschafft haben soll, um der Zahlung der Schadensersatzforderung zu entgehen. Ob der Präsident des WBC Jose Sulaiman das Unheil erahnte, welches sich für den Verband mit diesem Prozess zusammenbraute, ist sehr wahrscheinlich. Noch vor wenigen Wochen verklagte er nämlich seinerseits Lennox Lewis und Mike Tyson auf 56 Millionen US-Dollar an Schmerzensgeld, weil er bleibende physische und psychische Schäden seit der Massenschlägerei bei der Pressekonferenz im Januar zur Bekanntgabe der Schwergewichts-WM davon getragen habe. Der 71-jährige Sulaiman wurde bei seinem Erscheinen vor Gericht gestützt und ging an einem Stock.
Die Zukunft des 1963 gegründeten Boxverbandes ist damit ungewiss. Fakt ist auf jeden Fall, dass Graciano Rocchigiani die Gebühren, die Promoter und Boxer für Meisterschaftskämpfe des WBC entrichten müssen, pfänden lassen könnte, soblad das Urteil rechtskräftig ist.
Rocky erhält nur 5,8 Millionen
Allerdings wird der frühere Weltmeister im Halbschwergewicht nicht die komplette Summe des ihm zuerkannten Betrages einstreichen können. So erhalten die Anwälte insgesamt etwa 7,75 Millionen Dollar an Honoraren. Vom Rest der Summe gehen erst einmal 50% an das Finanzamt (11,625 Millionen). Wiederum die Hälfte dürfte Noch-Ehefrau Christine Rocchigiani erhalten, da beide in einer Zugewinngemeinschaft lebten. Blieben also immerhin noch 5,812 Millionen für den Berliner, wenn das WBC jemals zahlen sollte.
Nach Nunn sollten vier WM-Kämpfe stattfinden
Nicht mehr als eine Fußnote, aber eine für Boxsportfans dennoch sehr interessante Information, dürfte die Darlegung der damaligen Pläne über die weiteren Kämpfe von Rocchigiani nach seinem WM-Sieg über Michael Nunn 1998 gewesen sein: Zuerst sollte "Rocky" gegen den offiziellen Herausforderer Richard Frazier aus den USA antreten. Dieser beendete pikanterweise seine Karriere im Januar 1999 nach einer Niederlage durch technischen K.o. in Runde zwei gegen Roy Jones, der wenige Monate zuvor vom WBC den WM-Gürtel wieder zuerkannt bekam.
Danach hätte für Rocchigiani eine freiwillige Pflichtverteidigung angestanden, um ihn dann einen Titel-Vereinigungskampf gegen den WBO-Champion Dariusz Michalczewski inklusive Rückkampf bestreiten zu lassen. Durch die Wegnahme des WBC-Titels platzten jedoch die Träume des Berliners, der daraufhin erst zwei Jahre nach seinem Sieg über Nunn wieder in den Ring stieg und dabei gegen Michalczewski unterlag.