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Samstag, 2002-06-22

Mercer gegen Klitschko

Ray Mercer, der Gegner von Wladimir Klitschko am 29. Juni, im exklusiven Portrait bei boxen.com

Der Blick von Ray Mercer ist getrübt. Ein blaues Auge, welches er sich vor kurzer Zeit im Training für den Kampf gegen den WBO-Champion im Schwergewicht, Wladimir Klitschko, zugezogen hat, verhindert einen klaren Blick und das so kurz vor dem vielleicht letzten entscheidenden Kampf seiner Karriere am 29. Juni in Atlantic City.
Als wolle der 1,85 Meter große Athlet sich selber Mut für das Duell gegen den 2,00 Meter großen Ukrainer zusprechen, sagt er: "Eine Menge Leute rechnen nicht mehr mit mir, aber das ist in Ordnung. Ich bin das gewohnt. Tommy Morrison hat nach den ersten drei Runden nicht mehr mit mir gerechnet, als wir gegeneinander kämpften, und jeder weiß, was danach passiert ist [Mercer knockte Morrison in der fünften Runde aus; die Red.]. Ich sehe Klitschko als einen russischen Morrison."
Doch der Kampf gegen Morrison ist schon über elf Jahre her und ob die fehlerhafte regionale Einordnung seines kommenden Gegners mit Mercers getrübtem Blick oder seinem Schwelgen in seinen erfolgreichsten Zeiten, als die Ukraine noch zur Sowjetunion gehörte, zusammenhängt, ist nicht bekannt.
Olympiasieg für Mercer 1988
Blick zurück: 1988 bei den Olympischen Spielen von Seoul gewann der heute 41-Jährige die Goldmedaille für die USA im Schwergewicht bis 91 Kilogramm, währenddessen holte sein fünf Jahre jüngerer Sportkamerad Lennox Lewis im Super-Schwergewicht (ab 91 Kilogramm) Gold für Kanada.
WM-Titel bei den Profis 1991
Ein paar Monate nach den Olympischen Spielen begann Mercer im Alter von 27 Jahren seine Karriere als Profi. Nach 16 siegreichen Kämpfen gewann er seinen ersten WM-Kampf nach Version der WBO gegen den Italiener Francesco Damiani in Atlantic City 1991, wohin er elf Jahre danach zum Kampf gegen Klitschko wieder zurückkehrt. Seinen Titel verteidigte er ebenfalls in der Stadt an der Ostküste der USA im Oktober 1991 gegen seinen amerikanischen Landsmann Tommy Morrison durch einen eindrucksvollen K.o.-Sieg in der fünften Runde.
Anlauf zum uneingeschränkten WM-Titel
Kurz darauf gab er den WM-Gürtel zurück, um gegen Larry Holmes einen WM-Ausscheidungskampf zu bestreiten, der den Gewinner des Duells gegen den damaligen Champion der Verbände IBF, WBA und WBC, Evander Holyfield in den Ring führen sollte. Doch Holmes gewann nach zwölf Runden und für Mercer war die Chance vorerst vertan.
Nach drei Aufbaukämpfen sollte die nächste Chance auf einen großen Titelkampf 1993 gegen den damaligen Weltmeister der WBA, Riddick Bowe, winken. Doch ausgerechnet gegen den vermeintlich schwachen Gegner Jesse Ferguson in seinem letzten Kampf vor der WM verlor Mercer zum zweiten Mal in seiner Karriere. Sein Gegner durfte gegen Bowe antreten und verlor sang- und klanglos durch K.o. in Runde zwei.
WM-Ausscheidungen gegen Holyfield und Lewis
Im zweiten Kampf nach seiner Niederlage hieß 1995 der Gegner dann doch Evander Holyfield, dieser hatte im Kampf zuvor seine WM-Titel der IBF und WBA an Michael Moorer abgegeben. Für beide Boxer ging es darum, am WM-Titelgeschehen dranzubleiben. Wieder verlor Mercer und musste sogar zum ersten Mal in seiner Karriere zu Boden gehen. Der Kampf endete mit einem Punktsieg für Holyfield nach zehn Runden.
Ein Jahr später war es im darauffolgenden Fight Lennox Lewis, der seinem Konkurrenten wiederum eine Chance auf einen Titelkampf mit seinem Sieg verdarb. Lewis bekam einen Kampf gegen Oliver McCall um den vakanten WM-Titel der WBC. Seit dem Kampf gegen Lewis im Mai 1996 boxte Mercer nur noch siebenmal und ging dabei bei seinen Siegen über zweitklassige Gegner nur über insgesamt 23 Runden. Sein Kontrahent Wladimir Klitschko wechselte damals im gleichen Jahr nach seinem Olympiasieg im Super-Schwergewicht in Atlanta ins Profilager und bestritt im selben Zeitraum 39 Profikämpfe über insgesamt 142 Runden.
"Die letzte Chance"
Ray Mercer weiß, um was es für ihn in dem Fight geht: "Es ist meine letzte Chance in der Weltspitze." Nicht nur die Größe und das Alter, allein das Missverhältnis der ausgetragenen Kämpfe in den vergangenen Jahren beschreiben die gnadenlose Unterlegenheit des Amerikaners, der eigentlich mit "Merciless" den Kampfnamen des "Gnadenlosen" trägt.
In allen Belangen hat Mercer gegenüber Klitschko Nachteile. Es sei denn, er trifft seinen Gegner mit einem wirklichen "Lucky Punch" in Atlantic City - an dem Ort, wo er ungetrübten Blickes vor elf Jahren den WM-Titel holte. Alles andere jedoch als eine frühe K.o.-Niederlage für Mercer wäre eine faustdicke Überraschung.