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Freitag, 2002-09-27

Macht Witherspoon weiter?

Der Traum vom erneuten Weltmeistertitel für Tim Witherspoon ist geplatzt

"Meine Zeit war vor ein paar Jahren", mit diesen Worten kündigte der frühere Weltmeister im Schwergewicht und Boxoldie Tim Witherspoon nach seiner Niederlage gegen Lou Savarese wohl seinen Rückzug vom aktiven Boxsport an. Ringrichter Jon Schorle beendete diesen Kampf am vergangenen Sonntag in der fünften Runde (boxen.com berichtete), nachdem der 44-Jährige gegen die Ringseile gelehnt stehend keine Anstalten mehr machte, sich gegen den Schlaghagel seines 37-Jährigen US-Landsmannes Savarese zur Wehr zu setzen. Zuvor war er schon in der selben Runde zu Boden gegangen und wurde angezählt.
"Jetzt ist die Zeit für die jüngeren Kerle. Es ist ihre Chance. Mensch, ich habe innerhalb von vier Jahrzehnten geboxt, den 70-ern, den 80-ern den 90-ern und jetzt im neuen Jahrtausend. Ich bin dankbar, dass ich überhaupt so weit gekommen bin. Ich würde sagen, es ist vorbei. Ich denke, es ist seit langem überfällig", erklärte Witherspoon, der seine Karriere mit einem technischen K.o.-Sieg über Joe Adams im Jahre 1979 begann.
Witherspoon – ein Boxer der "verlorenen Generation"
"Terrible Tim", so sein Kampfname, ist einer der Boxer der sogenannten "Lost Generation" - der verlorenen Generation von Boxern, wie Greg Page, Trevor Berbick, Pinklon Thomas, Tony Tucker und Tony Tubbs. Diese waren damals junge, wilde und rätselhafte Athleten, die angetreten waren, sich zu Beginn der 80-er Jahre um die Nachfolge des "größten" Boxers aller Zeiten, Muhammad Ali, zu streiten und den Boxolymp zu erklimmen.

Furchtlos mit dem Herz eines Löwen sahen diese Boxer aus, als ob sie über 50 Runden boxen könnten. Letztendlich waren sie aber meist drogenabhängige und lethargische Schattenboxer, die nicht annähernd in die Fußstapfen ihrer großen Vorgänger als Weltmeister treten konnten. Die meisten von ihnen wurden von Promoter Don King vertreten wie auch "Terrible Tim", der sie mit seinen Verträgen um ihren gerechten Anteil an den Einnahmen für die Kämpfe brachte. Witherspoon führte später einen Prozess gegen King und gewann.
Stationen einer Karriere
Witherspoon wechselte im Alter von 21 Jahren nach nur sieben Amateurkämpfen ins Profilager. Er bestritt von 1979 bis zum Jahre 2002 insgesamt 68 Profikämpfe (55 Siege, 12 Niederlagen und ein Unentschieden). Wobei er seither in jedem Jahr, außer 1993, im Ring stand. Erstmals um den Weltmeistertitel boxte er im Jahre 1983 gegen Boxlegende Larry Holmes, gegen den er nach einer umstrittenen Entscheidung im Kampf um den WM-Gürtel des WBC nach Punkten knapp verlor.
Den WM-Titel holte er sich dann ein Jahr später erstmals gegen Greg Page, um ihn dann im darauffolgenden Kampf gegen Pinklon Thomas wieder zu verlieren. 1986 siegte er gegen Tony Tubbs und war damit erneut Weltmeister - dieses Mal beim Verband WBA. Als den Höhepunkt seiner Karriere beschrieb Witherspoon immer seinen Sieg über den Briten Frank Bruno durch technischen K.o. in der elften Runde: Vor 55.000 Zuschauern verteidigte er im Juli 1986 seinen Titel im Wembly-Stadion in London.
Dem großen Triumph folgte im nächsten Kampf fünf Monate später eine seiner bittersten Niederlagen: Der Herausforderer James "Bonecrusher" Smith schlug Witherspoon im Madison Square Garden in New York in der ersten Runde dreimal nieder und gewann durch technischen K.o. den Weltmeistergürtel.
Ende eines Traumes
Mit seinem voraussichtlichen Karriereende platzt auch sein Traum, neben George Foreman der einzige Athlet in der Geschichte des Boxsports zu werden, der mit über 40 Jahren Weltmeister im Schwergewicht geworden wäre. Witherspoon war bis zum vergangenen Sonntag auf dem neunten Platz der Weltrangliste der IBF platziert und rechnete sich große Chancen auf einen WM-Kampf aus.
Ob er die Boxhandschuhe wirklich an den Nagel hängt, ist dennoch ungewiss. Aufgrund finanzieller Probleme beendete er auch nach fünf Niederlagen in Folge (1997 bis 1999) seine Karriere nicht, da er als alleinerziehender Vater stets für seine Kinder sorgen musste. Gegen Savarese erlitt er erst seine zweite Niederlage seit 1999, neunmal hatte er seitdem gewonnen und ein Unentschieden erreicht.
Vor wenigen Monaten hatte Witherspoon einmal gesagt, was er gerne nach seiner Karriere machen würde: "Ich denke, dass es meine Aufgabe im Boxsport ist, den Athleten zu helfen, die sich nicht trauen, etwas zu sagen. Denn rein technisch gesehen ist der Boxer der Boss. Er ist derjenige, der das Geld einspielt. Man möchte nicht als Großmaul gelten, man möchte seinem Promoter oder Manager nicht auf die Füße treten – man möchte einfach nur, dass diese einen respektieren. Darum möchte ich mich kümmern, wenn meine Karriere zu Ende ist." Es wäre ein guter Zeitpunkt für Witherspoon, den jungen Athleten ab sofort eine Stimme zu geben.