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Mittwoch, 2009-06-03

Interview mit Wilfried Sauerland

Manager Wilfried Sauerland (Foto: SE)

Manager spricht noch einmal über die Vorgänge in Helsinki

Die kurzfristige Absage der Schwergewichts-WM zwischen Nikolai Valuev und Ruslan Chagaev beschäftigt die Boxwelt. Die Diskussion ist geprägt von gegenseitigen Anschuldigungen, Beschimpfungen und wilden Spekulationen. Valuev-Manager Wilfried Sauerland spricht in diesem Interview noch einmal detailliert über die Vorgänge in Helsinki, über die Geschichte des Valuev-Chagaev-Kampfes und über bisher kaum bekannte Hintergründe. 

Herr Sauerland, wie sehr hat Sie der Ausfall des Kampfes in Finnland persönlich betroffen?

Wilfried Sauerland: "Es war eine Riesenenttäuschung für alle Beteiligten, aber sicherlich besonders für die Sportler. Nicht nur die Hauptkämpfer sondern auch die meisten Rahmenkämpfer waren betroffen. Für Nikolai tut es mir besonders leid. Er hat sich zum dritten Mal auf einen Chagaev-Kampf vorbereitet. Fast ein Jahr seines Lebens hat er mit dem Kampf verschwendet." 

Gab es keine Möglichkeit den Kampf zu retten?

Wilfried Sauerland: "Es gab den Vorschlag, dass Nikolai sich innerhalb von 24 Stunden nach dem Kampf spritzen lassen sollte und dann einen Monat später nochmals. Niko erbat sich eine Bedenkzeit und wollte erst mit seinem Arzt, der von Russland aus unterwegs war, sprechen und sich aufklären lassen. Dazu kam es aber nicht mehr, da uns der finnische Verband informierte, dass man keinen Boxer mit einer Hepatitis B Erkrankung und mit Infektionsgefahr, wie gering auch immer, in den Ring lassen werde." 

Es gibt Experten, die meinen, die Infektionsgefahr ist gleich Null.

Wilfried Sauerland: "Zwischen gleich Null und Null ist ein großer Unterschied. Ich habe bei den Besprechungen in Helsinki dem Hausarzt von Chagaev und Universum angeboten, den Kampf durchzuführen, wenn sie uns eine Risikoübernahme schriftlich bestätigen würden. Das haben sie abgelehnt." 

Haben Sie nicht versucht, den Kampfabend zu retten?

Wilfried Sauerland: "Natürlich gab es die Überlegungen, denn mit Meehan (Nr.1) und Brewster (Nr.7) standen noch zwei Boxer aus der WBA-Weltrangliste im Programm. Niko hatte sich aber monatelang auf einen Rechtsausleger vorbereitet, dann 24 Stunden vor dem Kampf auf einen Normalausleger umzustellen, ist unmöglich. Es kam ja auch noch der Vorwurf, wir hätten den Kampf nach Finnland verlegt, da wir mit einem Startverbot von Chagaev gerechnet hätten. Da wäre es doch naheliegend gewesen, einen Rechtsausleger als Chagaev-Ersatz zu verpflichten." 

Es gab auch die Frage, warum Professor Wagner nicht Ringarzt in Finnland war. Was war der Grund?

Wilfried Sauerland: "Professor Wagner war noch nie Ringarzt bei einer Veranstaltung mit Sauerlandboxern außerhalb des deutschsprachigen Raums. Die nationalen Verbände setzen grundsätzlich, schon aus versicherungstechnischen Gründen, ihre eigenen Leute ein." 

Professor Wagner sagt, er hätte in Deutschland den Kampf wahrscheinlich stattfinden lassen.

Wilfried Sauerland: "Er hat aber auch gesagt, dass man in den meisten anderen Ländern Kämpfe mit dem Chagaev-Befund untersagt hätte, z. B. in den USA, England oder Italien. Was viele gar nicht wissen, weil es von Universum nicht publiziert wurde: Schon 2003 wurde ein Chagaev-Kampf in Australien wegen der Hepatitis-Erkrankung untersagt. Seitdem hat Chagaev alle seine Kämpfe in Deutschland und Österreich ausgetragen." 

Herr Kohl bezeichnet Valuev als Feigling.

Wilfried Sauerland: "Damit will er nur provozieren. Dies ist nun die dritte Absage von Chagaev. Noch nie habe ich ein Wort von Universum oder Chagaev gehört, dass man sich bei Niko entschuldigt oder sein Bedauern ausdrückt. Letztendlich hat der viel Arbeit in die Vorbereitungen gesteckt. Von finanziellen Verlusten wollen wir nicht reden. Es ist aber schon traurig, dass Chagaev in den letzten zwei Jahren vier Kämpfe absagen musste. Wenn wir alle Emotionen und Spekulationen einmal außen vor lassen, bleiben die Fakten stehen: Chagaev ist im April 2007 Weltmeister geworden, vor zwei Jahren und zwei Monaten. Seitdem hat er nicht eine einzige Pflichtverteidigung absolviert, die normalerweise jährlich fällig ist. Er hat in dieser Zeit zwei No-Name-Gegner geboxt, und er hat drei Pflichtverteidigungen sowie einen Titelvereinigungskampf aus gesundheitlichen Gründen abgesagt." 

Abschließend eine private Frage: Es wurde in einigen Medien berichtet, dass Sie am Abend nach der Absage noch gefeiert hätten.

Wilfried Sauerland: "Das haben wir tatsächlich. Mein jüngster Sohn Nisse wurde 30, und das war der Anlass. Zufälligerweise wurde beim ersten Valuev-Chagaev-Kampf mein älterer Sohn Kalle auch 30. Trotz der Niederlage von Niko hat uns das damals auch nicht davon abgehalten, gebührend zu feiern."