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WBA-Weltmeister bereitet sich auf erste Titelverteidigung vor

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Mittwoch, 2007-03-07

Interview mit Oktay Urkal

Oktay Urkal: "Wenn ich Weltmeister werde, würde ich bei der Landung den WM-Gürtel aus der Cockpitluke des Flugzeugs halten"

Showdown in Puerto Rico: Am 3. März steigt der WBA-Weltmeister im Weltergewicht Miguel Cotto (28-0, 23 K.o.´s) zu seiner Titelverteidigung gegen Oktay Urkal (38-3, 12 K.o.´s) aus Berlin in den Ring. Für viele Boxexperten gilt der puertoricanische Titelverteidiger im Coliseo Roberto Clemente in San Juan aufgrund seiner enormen Schlagkraft vor heimischer Kulisse als klarer Favorit. Doch der von Ulli Wegner trainierte Herausforderer will nichts unversucht lassen, um den WM-Gürtel aus Puerto Rico nach Deutschland zu holen.

Oktay Urkal will sich in San Juan den Traum vom WM-Titel erfüllen
Herr Urkal, trotz Ihrer großartigen WM-Fights gegen Kostya Tszyu und Vivian Harris gelten Sie vor der WBA-Weltmeisterschaft gegen den in 28 Profikämpfen ungeschlagenen Miguel Cotto eher als Außenseiter. Wie sehen Sie selbst Ihre Chancen?
Oktay Urkal: "Im Boxsport ist alles möglich. Ich habe mich sehr konzentriert auf diesen Kampf vorbereitet. Im Sparring lief es ausgezeichnet. Keine Verletzungen, gute Laktatwerte, auch die Schlagkraft- und Lauftests brachten hervorragende Ergebnisse. Ich werde also am 3. März in einer Top-Verfassung in den Ring steigen. Mit 37 Jahren wird das meine letzte Chance sein, den WM-Titel zu gewinnen. Deshalb habe ich im Vorfeld wirklich alles dafür getan, um diese Chance zu nutzen."
Im WM-Kampf gegen Kostya Tszyu brachen Sie sich den Kiefer. Glauben Sie, Sie hätten den Kampf damals ohne dieses Handicap gewonnen?
Oktay Urkal: "Bis zur siebten Runde, als der Kiefer brach, war der Kampf sehr ausgeglichen. Ich hätte gewinnen können, doch auch mit der Verletzung war es bis zum Ende ein großartiger Fight."
Gegen Vivian Harris gab es später zwei WM-Niederlagen. Im ersten Kampf unterlagen Sie knapp nach Punkten, im zweiten Aufeinandertreffen mussten Sie sich in der elften Runde geschlagen geben…
Oktay Urkal: "Das stimmt, doch den ersten WM-Kampf gegen Harris hätte man durchaus für mich werten können. Ich dachte nach Ende der zwölf Runden, dass ich Weltmeister bin. Vor dem zweiten Kampf schwächte mich in der Vorbereitung zweimal die Grippe. Hinzu kam, dass ich mir im ersten Kampf die Nase gebrochen hatte und die ganze Sache nicht vernünftig verheilt war. Deshalb hatte ich starke Probleme mit der Atmung und war nicht in der Lage, der Klasse von Harris Stand zu halten."

Oktay Urkal will seine Chance gegen Miguel Cotto nutzen
Sie haben sich in der vergangenen Jahren besonders durch Ihre Schnellig- und Beweglichkeit einen Namen gemacht. Miguel Cotto hatte einige Male Probleme mit Kontrahenten, die schnell auf den Beinen sind. Wird das auch Ihre Strategie für Samstag sein?
Oktay Urkal: "Cotto wird sicherlich versuchen, in gewohnter Art nach vorne zu marschieren. Doch ich bin mir sicher, dass ich ihn mit meinen schnellen Aktionen immer wieder überraschen kann. Der Kampf am Samstag wird zeigen, wer mit seiner Art zu boxen, den Ring als Sieger verlässt."
Im vergangenen Jahr standen Sie nur zweimal im Ring. Ihre Kontrahenten kamen dabei nicht aus den oberen Regionen der Weltrangliste. Wollten Sie kein Risiko eingehen?
Oktay Urkal: "Ja, so war es. Ich hatte mir das Recht, um die WBA-WM zu boxen, schon im Mai 2005 durch meinen Sieg gegen Frederic Klose erkämpft. Nach meinem Erfolg gegen Maxim Nesterenko vier Monate später legte ich den EM-Titel nieder, um mich auf meine WM-Chance zu konzentrieren. Da sich der WM-Kampf verzögerte, nutzte ich die beiden Kämpfe dazu, um mich in Form zu bringen."
Miguel Cotto plant für den 9. Juni bereits den nächsten Kampf. Glauben Sie, dass er Sie unterschätzt?
Oktay Urkal: "Das Gefühl könnte man schon haben. Aber mal ehrlich, falls er mich wirklich unterschätzen sollte, kann das eigentlich nur gut für mich sein. Damit steigen meine Chancen, ihn zu besiegen. Außerdem finde ich, dass damit enormer Druck auf ihm lastet. Das einheimische Publikum wird ihn zwar frenetisch anfeuern, doch eine Niederlage, gerade wenn der nächste Kampf schon geplant ist, wäre eine riesige Enttäuschung für ihn. Ich kann hingegen unbekümmert in den Ring steigen, denn ich habe nichts zu verlieren."

Gegen Robert Christea siegte Urkal im November vorzeitig
Haben Sie sich dieses Mal eigentlich anders als sonst vorbereitet?
Oktay Urkal: "Zunächst einmal hatte ich andere Sparringspartner. Sie sollten dem Stil Cottos nahe kommen. Dazu bin ich sehr früh nach Puerto Rico gereist, um mich an die Zeitverschiebung von fünf Stunden und die warmen Temperaturen zu gewöhnen. Mit beiden Faktoren bin ich gut klar gekommen. Deshalb bin ich auch überzeugt, dass ich am Samstag eine gute Leistung zeigen werde."
Haben Sie sich schon überlegt, was passieren würde, wenn Sie als WBA-Weltmeister nach Berlin zurückkehren würden?
Oktay Urkal: "Na klar. Wenn ich Weltmeister werde, würde ich vor Freude bei der Landung am Montag in Berlin-Tegel den WM-Gürtel aus der Cockpitluke des Flugzeugs halten."