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Mittwoch, 2005-03-09

Interview Marvin Hagler

"Für mich gab es keine Herausforderung mehr."


Marvin Marvelous Hagler hat Boxgeschichte geschrieben. Von 1980 bis 1987 beherrschte er das Mittelgewicht. Die Gürtel von WBA, WBC und IBF gehörten ihm. 62 seiner 67 Profikämpfe gewann er, 52 durch KO. Sein Motto ist legendär "No mercy" (Keine Gnade). Marvin Hagler (50) lebt mit seiner Frau Kay überwiegend in Mailand. Er hat bereits in vier Filmen mitgespielt. Auf seiner aktuellen Autogrammkarte steht Schauspieler vor ehemaliger Box-Weltmeister. "Aber um als Schauspieler so viel zu erreichen, wie als Boxer, müsste ich 18 mal den Oscar gewinnen", scherzt der Champion im Interview mit www.boxen.com. Anlässlich der Geburtstags-Party von Wilfried Sauerland besuchte Hagler zum ersten Mal die deutsche Hauptstadt.
Mr. Hagler, wann waren sie das letzte Mal beim Boxen?
Hagler: Ich war bei Hopkins gegen Eastman auf Einladung der BBC. Habe auch schon für HBO als Co-Kommentator am Ring gesessen.
Sie sind jetzt 50. Es gibt Kollegen, die stehen immer noch im Ring oder planen in diesem Alter noch ein Comeback. Wie sieht es bei ihnen aus?
Soll es geben. Ich kenne auch ein paar Ex-Boxer, die nur noch blöde vor sich hin glotzen und unverständliches Zeug quatschen. Ich bin froh, rechtzeitig aufgehört zu haben. Mir blieb ja nichts anderes übrig.
Sie waren damals 33. Für einen Boxer eigentlich kein Alter. Doch nach der Niederlage gegen Ray Leonard sind sie nie wieder in den Ring gestiegen. Viele meinen, sie hätten zu früh aufgehört.
Erstens habe ich nicht verloren und Leonard hat diesen Fight nicht gewonnen. Er hat lediglich überlebt. Das Urteil (2:1 für Sugar Ray, die Red.) war ein Witz. Aber nach fast 18 Jahren hat sich meine Wut verbraucht.
Warum gab es kein Rematch. Immerhin war es der wertvollste Kampf außerhalb des Schwergewichts.
Ein Rematch wäre für mich der einzige Grund zum Weitermachen gewesen. Doch Sugar Ray verkündete seinen Rücktritt, da war die Sache für mich erledigt. Das er ein Jahr später zurück kam, war schlecht für seine Gesundheit und zu spät für mich. Nach dem Kampf gab es für mich keine Herausforderung mehr. Ich hatte schon alle geschlagen. Da war es einfach klüger, sich um andere Dinge zu kümmern.
Wenn Sie die Situation heute mit ihrer Zeit vor rund zwanzig Jahren vergleichen, was hat sich verändert?
Die Fights waren härter damals. Wir kämpften noch 15 Runden, wenn es sein musste. Die richtige Männer-Distanz, nicht zwölf wie heute. Und zu meiner Zeit gab eine Menge großer Kämpfer im Mittelgewicht. Wir hatten Glück, denn durch den Rücktritt von Ali gab es ein Vakuum im Profiboxen. Im Schwergewicht war nicht so viel los. Holmes war ein guter Boxer, aber ohne Charisma. Die Stars wurden in anderen Gewichtsklassen gesucht und gefunden. Dadurch hatten Leonard, Duran, Mugabi, Hearns und auch ich die Möglichkeit, um Börsen zu boxen, die es sonst nur im Schwergewicht gab.
Heute ist die Situation ähnlich wie bei Ihnen. Hopkins hält alle vier Gürtel…
…und ist 40 Jahre alt. Wie ich hörte, will er ins Halbschwergewicht wechseln, um gegen Johnson zu boxen. Die berühmte Story vom letzten großen Kampf. Für mich ein deutlicher Hinweis auf Motivationsprobleme.
Wer wird Hopkins im Mittelgewicht beerben?
Ein überragender Mann fällt mir nicht ein. Taylor ist ein großes Talent. Sturm hat einen guten Kampf gegen De la Hoya gemacht, der aber auch kein echter Mittelgewichtler ist. Kein Mensch weiß, wie lange Felix Trinidad noch Lust auf Boxen hat, der wieder im Halbmittelgewicht um die Weltmeisterschaft boxt. Sicher ist, dass spätestens seit den achtziger Jahren mehr Gewichtsklassen im Mittelpunkt stehen. Zumal die Situation im Schwergewicht heute ziemlich unübersichtlich ist, was eine große Chance für leichtere Gewichtsklassen bedeutet.
Sie sind ein Vorbild für viele Profiboxer. Wer war das Vorbild für Marvin Hagler?
Floyd Patterson. Ein präziser Boxer, technisch gut mit Schlagkraft. Floyd war mein Vorbild.
Patterson wurde als Mittelgewichtler Olympiasieger und als Profi Weltmeister im Schwergewicht. Ein Weg, den Sie nicht gegangen sind.
Ich hatte nie die Illusion in der höchsten Klasse Champion zu werden. Man muss seine Grenzen kennen.
Einige probieren es trotzdem. James Toney zum Beispiel.
Toney bringt Schwergewicht, kein Zweifel. Aber er ist auch nur 1,80. Bei der Party von Wilfried Sauerland habe ich diesen Russen Valuev getroffen. Der ist 2,13 Meter und ich musste auf den Tisch steigen, um ihm in die Augen zu schauen. Wenn ich mir Toney gegen diesen Riesen vorstelle, frage ich mich, was hat das noch mit Chancengleichheit zu tun.
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