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Samstag, 2004-12-11

Im Sauerland-Camp

Ein Besuch im Bundesleistungszentrum bei Beyer & Co

Markus Beyer und Cengiz Koc
Das brandenburgische Örtchen Kienbaum liegt eine gute Autostunde vom Berliner Stadtzentrum entfernt. Seit über 30 Jahren bereiten sich hier Leistungskader aller Sportarten auf Weltmeisterschaften und Olympische Spiele vor. Legendär ist die Unterdruckkammer des ehemaligen DDR-Leistungszentrums, von deren Existenz nur Funktionäre, Spitzensportler und Beschäftigte wussten. Aus einem Trainingsraum konnte Luft abgepumpt und durch Stickstoff ersetzt werden. So wurde die Pulsfrequenz und der Anteil roter Blutkörperchen erhöht, was die Ausdauerfähigkeit verbesserte. Nach 1990 wurde dieses gut  gehütete Erfolgsgeheimnis des DDR-Sports gelüftet. Seitdem ist die Kammer allerdings außer Betrieb.
Im heutigen Bundesleistungszentrum trifft man mehrmals im Jahr auf die Profi-Boxer des Sauerlandteams. Cheftrainer Ulli Wegner liebt neben der Berlinnähe, die Abgeschiedenheit und Ruhe des Orts: "Hier können sich die Jungs auf das Wesentliche konzentrieren. Es gibt keine Familienbesuche, Pressetermine oder Partys. Dafür gibt es eine Menge frische Luft einen geregelten Tages- und Trainingsablauf."
Trainiert wird in zwei Einheiten. Nach dem Frühstück (um 9 Uhr) beginnt der erste Durchgang. Hier kommt es vor allem auf konditionelle und koordinative Fähigkeiten an. Nach dem Essen, gegen 13 Uhr haben die Boxer drei Stunden Ruhe. Kraftsport und boxspezifische Übungen stehen im zweiten Durchgang auf dem Programm. Spätestens um 22 Uhr liegen "Wegners Jungs" dann im Bett. 
Ein besonderes Highlight, für Boxer und Betreuer gleichermaßen, sind die Fußballspiele im Camp. Mit perfekten Ballannahmen und erstaunlichen Dribbelkünsten haben die Weltklasse-Boxer ein Talent, mit dem sie in einigen Regionalliga-Clubs bestehen könnten. Einer der eifrigsten und torgefährlichsten Spieler ist Ulli Wegner. Einen klaren Sieger haben die Fußballspiele nicht, Siege und Niederlagen werden bis in die Abendstunden "zurechtdiskutiert".
Da die Trainingsabläufe der Boxer stark voneinander abweichen, sind der Weltmeister Markus Beyer, Schwergewichtler Cengiz Koc und der Halb-Schwergewichtler Marco Huck vom Fußballspiel ausgenommen. Während der grippegeschwächte Arthur Abraham mit leichtem Kraft- und Konditionstraining beginnt und sich Alexander Sipos im Kraftraum quält, geht es für die Kämpfer des 18. Dezembers im Ring ordentlich zur Sache. Für sie heißt es täglich Gerätetraining und Sparring. Die Endphase der Wettkampfvorbereitung ist erreicht, in Bayreuth müssen sie topfit sein. Vor wenigen Tagen wurde das Pensum hochgeschraubt. Den Tageshöhepunkt bildet ein knallhartes 12-Runden-Sparring. Über 36 Minuten geht es gegen im Drei-Runden-Takt wechselnde, ausgeruhte Gegner zur Sache.

Markus Beyer beim Sparring
Die Anstrengungen der letzten Wochen stehen Markus Beyer ins Gesicht geschrieben. Den Gang gegen den japanischen Asienmeister Yoshinori Nishizawa  nimmt er nicht auf die leichte Schulter. Breitschultrig und mit Oberschenkeln, die einem Bahnradsprinter alle Ehre machen würden, tigert das 1,76 m große Muskelpaket durch den Ring. Die Sparringpartner aus aller Welt verzweifeln. Bis zu vier Runden bleibt Beyer ohne Gegentreffer. Der Super-Mittelgewichtler schlägt im Vorwärtsgang, kontert beim Rückzug. In unglaublich kurzen Zeiträumen wechselt er die Distanz. Der im Gym sonst so laute Ulli Wegner steht nur schweigend am Rand. Hier hat er nichts hinzuzufügen. "So habe ich Markus seit der Amateur-Europameisterschaft 1996 nicht mehr erlebt", wird er später sagen.