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Sonntag, 2016-09-25

Brähmer im Interview

Jürgen Brähmer

Brähmer bereit sich gewissenhaft vor (Foto: Uwe Koch)

WBA-Weltmeister erzählt vor Titelverteidigung über 3-Stufen-Plan

Nach fünf Jahren Verzögerung ist es endlich soweit: am 1. Oktober verteidigt Jürgen Brähmer die WM im Halbschwergewicht gegen Nathan Cleverly. Dafür fühlt sich der Schweriner Weltmeister in der Form seines Lebens. Welche Veränderungen ihn zuletzt positiv beeinflusst haben, wieso er das Jahnsportforum Neubrandenburg extrem schätzt und wie und wann er sich für einen Sieg über Cleverly belohnen würde, können Sie im folgenden Interview nachlesen.

Jürgen Brähmer, erstmals seit Anfang März stehen Sie bei einer Box-WM wieder als Boxer im Ring. Ist es einfacher, im Endeffekt selbst den Erfolg in den Fäusten zu haben?

Jürgen Brähmer: Ich freue mich in jedem Fall darauf, wieder selbst im Ring zu stehen. Natürlich hat man als Trainer von außen während des Kampfes nur eingeschränkte Möglichkeiten. Als Trainer nimmt man vor allem in der Vorbereitung und in der taktischen Ausrichtung Einfluss. Aber letztlich steht der Sportler alleine im Ring und muss um den Sieg kämpfen.

Tyron Zeuge, den Sie seit Jahresbeginn betreuen, sagt, Sie seien ein echtes Arbeitstier und können selbst mit 38 Jahren immer noch zulegen. Macht Ihnen Ihr Können und Ihre Qualität nicht selbst manchmal Angst?

Jürgen Brähmer: Warum sollte es mir Angst machen? Ich boxe seit 24 Jahren und mein Körper war immer mein Kapital. Ich habe in den vergangenen Jahren mein Training und meine Ernährung umgestellt, bin noch akribischer geworden. Dazu gehört für mich auch mit der Zeit zu gehen und neue Trainingsmethodik einfließen zu lassen. Zudem trainiere ich heute mit meinem Coach Conny Mittermeier viel individueller. Man ist wesentlich flexibler, wenn man nicht mehr nur ein Teil einer Trainingsgruppe ist. Ich glaube einfach daran, dass es ein Team aus Experten geben muss, um einen Sportler auf allen Ebenen bestmöglich zu betreuen. Und ich fühle mich in allen Belangen in sehr guten Händen.

 

Zeuge bezeichnet Sie nicht nur als Weltklassesportler und Trainer, sondern auch als Vertrauensperson in allen Lebenslagen. Wie sehr liegt Ihnen diese Rolle und wünschen Sie sich manchmal nicht ein wenig mehr Abstand vom Boxsport?

Jürgen Brähmer: Der Sport gehört einfach zu meinem Leben dazu. Ich kenne das Profigeschäft seit mittlerweile 17 Jahren. Ich kann verstehen, wenn junge Sportler zu mir kommen und um einen Rat oder Tipp bitten. Dafür ist das Geschäft zu komplex. Natürlich unterstütze ich dann, schließlich geht es mir ja auch um die Entwicklung des Boxsports insgesamt und ich hoffe, dass ich einen Teil dazu beitragen kann, um junge Talente zu fördern und für den Sport zu begeistern.

Bis vor ein paar Monaten waren Sie als Pendler unterwegs - wohnen in Schwerin, Wettkampfvorbereitung in Berlin. Jetzt passiert beides in Ihrer Heimatstadt. Ist Ihr Leben dadurch einfacher geworden?

Jürgen Brähmer: Es ist sehr viel einfacher und entspannter, hier am Standort die Vorbereitung zu absolvieren. Ich bin in meinem gewohnten Umfeld und Mecklenburg-Vorpommern bietet optimale, professionelle Trainingsbedingungen. Ich kann mein Training abwechslungsreich gestalten und auch in der Natur trainieren.

 

In Ihrer Ecke hat es ebenfalls einen Wechsel gegeben. Haben Sie sich unter Conny Mittermeier komplett neuerfunden oder wurde an Bewährtem festgehalten?

Jürgen Brähmer: Wir kennen uns lange, vertrauen einander völlig und sprechen die gleiche Sprache. Conny kennt mich, weiß wie ich ticke. Er stellt sich einerseits sehr gut auf mich ein, ohne die physischen Grundlagen zu vernachlässigen. Gleichzeitig setzt er aber auch immer wieder neue Reize und variiert die Trainingsmethoden. Um die optimalen Grundlagen zu legen, haben wir zu Beginn der Vorbereitung ein Trainingslager am Olympiastützpunkt in Stuttgart absolviert. Das war für mich eine sehr intensive, aber auch sehr wertvolle Zeit.

Das Duell Brähmer vs. Cleverly klingt wie eine unendliche Geschichte. Ihr kommender Gegner sagt, es wäre vorherbestimmt, erst jetzt aufeinanderzutreffen. Sind Sie da ähnlich abergläubisch oder ist Nathan Cleverly einfach ein weiterer Name in Ihrem Rekord?

Jürgen Brähmer: Abergläubisch war ich noch nie, aber ich bin froh, dass es jetzt endlich zu diesem Duell kommt und ich das Kapitel schließen kann. Vor allem freut es mich für die Fans, die lange auf diesen Fight gehofft haben. Wir boxen beide einen unterschiedlichen Stil, er ist sehr aktiv, ich komme eher über die Schlaghärte. Das wird sicherlich ein sehr spannendes Duell für die Zuschauer.

 

Diese WM-Titelverteidigung findet erneut im Jahnsportforum statt, nirgendwo anders haben Sie in den vergangenen drei Jahren öfter geboxt. Was ist das Besondere an den Fans in Neubrandenburg?

Jürgen Brähmer: Da kommen mehrere Dinge zusammen, die ich am Jahnsportforum schätze. Zum einen sind die Zuschauer wahnsinnig fachkundig und schon früh in der Halle, schauen sich auch die Vorkämpfe an. Zum anderen peitschen sie einen ununterbrochen nach vorne und sind absolut leidenschaftlich. Die hitzige Stimmung spürst Du schon in den Katakomben der Arena.

Egal wie Ihr Kampf am 1. Oktober ausgeht, wechseln Sie danach wieder zurück in die Trainerecke. Kennt ein Jürgen Brähmer überhaupt noch das Wort Urlaub?

Jürgen Brähmer: Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent. Dazu gehört dann auch, dass ich am Montag nach dem Kampf wieder als Trainer Tyron Zeuge auf seinen Rückkampf gegen de Carolis vorbereiten werde. Tyron ist ein großes Talent und hat sich im ersten Kampf trotz Verletzung durchgebissen und eine tolle Leistung gezeigt. Ich möchte ihn am 5. November zu meinem ersten Weltmeister machen. Danach können wir vielleicht über einen Kurzurlaub an der Ostsee nachdenken.

Eintrittskarten für die Box-Nacht am 1. Oktober in Neubrandenburg sind bei www.tickethall.de und www.eventim.de sowie unter der telefonischen Ticket-Hotline 01806-570044 erhältlich.