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Kolumne
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Marquez - Haudegen, Schlachtross, Kribbelgegner

Achtung, diese Kolumne kommt mit Musik. Nein, nein! Der Lautsprecher an Ihrem Computer ist nicht defekt. Auflegen müssen Sie die Songs schon selber. Per iPod, CD-Player oder Plattenspieler. (Für die jüngeren boxen.com-Leser: Ein Plattenspieler stammt aus der Zeit, in der CD noch eine Seife war und eine Festplatte ein Teller mit leckeren Schnittchen ...)

 

Aber Musik muss sein bei dieser Kolumne. Weil Musik eine sehr beruhigende Wirkung auf mich hat. Und genau die brauche ich, wenn ich an das Duell zwischen Arthur Abraham und Raul Marquez in Bamberg denke. Ein großer Champion gegen einen Haudegen. Gegen ein Schlachtross. Gegen einen Typen, der mehr über das Boxen vergessen hat, als 98 Prozent aller Insider in der Faustkampf-Szene je lernen werden. 

 

Raul Marquez erkämpfte als Profi 41 Siege und ein Unentschieden

 

Immer dann, wenn so ein Duell ansteht, kriege ich das Magenkribbeln. Und dann hilft – neben einem schönen Glas voll mit schottischem Multivitaminsaft – am besten Musik.

 

Wie wär’s mit "Lambada"? Sie erinnern sich noch? Alles tanzte, alles träumte karibisch, alles wippte mit im Takt. Im September 1989. Und Raul Marquez – in Mexiko geboren, aber mit fünf Jahren mit seinen Eltern nach Texas ausgewandert – kämpfte sich bei der Amateurbox-WM in Moskau bis ins Halbfinale. Nur zum Vergleich: Abraham war damals neun Jahre jung. Nix Lambada. Null Box-Karriere. Alles Zukunftsmusik ...

 

Dann hätte ich da noch "Sweat" von einer Reggae-Band namens Inner Circle, die ich – Gnade der frühen Geburt – mal vergöttert habe. Viel später hatten sie den Mega-Hit, den bis heute jeder mitsingen kann. Drei, zwei, eins: A lalalalalong, a lalalalalong. Super Text, geiler Rhythmus. Nummer-1-Hit im Oktober 1992, als Marquez sein Profidebüt bestritt. 

 

Er, der enttäuschte Olympiateilnehmer von Barcelona, der gegen die holländische Kampfmaschine Orhan Delibas im Viertelfinale ausgeschieden war. Und damit endgültig in dem übergroßen Schatten verschwand, den eine Lichtgestalt namens Oscar De La Hoya mit der Goldmedaille um den Hals auf die US-Boxszene warf.

 

Aber wenn einer richtig darum kämpfte, aus diesem Schatten wieder herauszukommen, dann der Fighter, den sie in seiner adoptierten Heimatstadt Houston "El Diamante" nennen. Einer mit einem Kämpferherz aus Diamant. Einer, der immer wieder sagt: "Ich liebe das Boxen wie mein Leben. Es ist mein Leben." 

 

Einer, der nicht kämpft, weil er kämpfen muss, oder kämpfen soll – sondern weil er kämpfen will. Weil der Kampf sein ein und alles ist. Je härter, desto lieber.

 

Aber Achtung, jetzt wird diese Geschichte richtig mies. Und die Musik passt dazu. 6. Dezember 1997. In der deutschen Hitparade steht "Barbie Girl" der Eurodance- (übersetzt: Musikmurks)-Gruppe "Aqua" auf Platz 1. Jeder, der die Textzeilen: "I’m a barbie girl / in a barbie world / life in plastic / it’s fantastic" erduldet hat, musste danach seine Gehörgänge mit Motörhead oder Led Zeppelin desinfizieren.

 

Marquez jubelt über den Sieg gegen Lorenzo (Fotos: Photo Wende)

 

Raul Marquez – 28 Profisiege in Folge – verteidigt im Caesar’s Atlantic City seinen Halb-Mittelgewichts-Titel der IBF gegen Yori Boy Campas. Einen Haudegen. Ein Schlachtross. 

 

Marquez bestreitet den Vorkampf für – natürlich – De La Hoya. Der "Golden Boy" hat 26 Siege aneinandergereiht. Eigentlich sind beide Hauptkämpfer. Aber Oscar schlägt Wilfredo Rivera durch K.o. – während Raul Marquez, der 90 Tage zuvor nach einem WM-Triumph über Keith Mullings mit 70 Stichen hatte genäht werden müssen, von Campas zerlegt wird.

 

Das war’s mit den Superstar-Träumen von Raul Marquez. Aber einer wie "El Diamante" ist eben elf Jahre später immer noch da.

 

Jetzt ist er der Haudegen, das Schlachtross. Und Arthur Abraham der strahlende Weltmeister. König Arthur. Verstehen Sie jetzt mein Bauchkribbeln?

 

Autor: Andreas Lorenz

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